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Wer trägt die Kosten für den Abriss der Kernkraftwerke?

Von Joachim Grawe
(
Joachim.Grawe@energie-fakten.de)Grawe

Antwort

Diese Kosten tragen grundsätzlich die Kraftwerksbetreiber und damit die Stromverbraucher über die Strompreise.

Der Abriss (Rückbau) kostet einige hundert Millionen Euro. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass ein großes Kernkraftwerk jährlich 10 bis 12 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Die Betreiber der 19 deutschen Kernkraftwerke bilden während der Betriebszeit Rückstellungen in der Unternehmensbilanz, mit denen die Finanzierung des späteren Rückbaus sichergestellt wird. Entsprechend wird übrigens auch hinsichtlich derjenigen Kosten der Entsorgung radioaktiver Abfälle verfahren, die nicht heute schon zu zahlen sind. (Betrieb des Endlagers bzw. der Endlager). Die Rückstellungen werden jährlich aufgestockt. Sie reichen am Ende der Betriebszeit gut aus. Manche vertreten sogar die Ansicht, die Rückstellungen seien schon jetzt teilweise zu hoch.

Die vorstehenden Ausführungen gelten für die 19 kommerziellen Reaktoren zur Stromerzeugung in der alten Bundesrepublik. In einigen Sonderfällen sieht es anders aus. So tragen die Steuerzahler die Kosten des Rückbaus der Reaktoren in der ehemaligen DDR, weil dort keine Rückstellungen vorgenommen wurden. Stillegung und Abriß des Versuchsatomkraftwerks Kahl sowie der beiden 300-Megawatt-Demonstrationsanlagen Gundremmingen A und Lingen werden zwar weitgehend von den Betreibern bezahlt. Aber es fließen auch öffentliche Forschungsgelder des Bundes und der EU ein, weil es sich in Bezug auf die Technik des Rückbaus dabei um Pilotprojekte handelt. Bei den beiden Versuchsanlagen in Niederaichbach und Großwelzheim sowie bei dem Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) Hamm-Uentrop findet die Finanzierung sogar überwiegend aus Steuermitteln statt. Die Betreiber der beiden erstgenannten Reaktoren konnten keine Rückstellungen bilden, weil diese kaum in Betrieb waren und die betreffenden Reaktorlinien als nicht konkurrenzfähig mit den Leichtwasserreaktoren nicht weiter entwickelt wurden. Der THTR wurde aus politischen Gründen vorzeitig stillgelegt. Alle drei hatten zudem ebenfalls Forschungs- bzw. Demonstrationscharakter. Der Schnelle Brutreaktor in Kalkar ging nie in Betrieb und wurde deshalb nicht radioaktiv. Er wird heute als Freizeitpark genutzt. Ein Rückbau würde keine Schwierigkeiten bereiten und keine größeren Kosten verursachen.

Es muß betont werden: Die genannten Sonderfälle ändern an dem Grundsatz nichts, dass selbstverständlich auch die Kosten des Rückbaus (wie alle Kosten) von denjenigen aufgebracht werden, denen der Betrieb der Kernkraftwerke dient: den Stromverbrauchern.

Diese Antwort entstand auf eine Frage eines Lesers im Juli 2002. Eine Langfassung ist nicht geplant.


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