Energie-Fakten -> Archiv ->Allgemein interessierenden Antworten auf Fragen von Lesern -> Atomausstieg – ja oder nein ?

Atomausstieg – ja oder nein?

Von Eike Roth
Roth(
Eike.Roth@energie-fakten.de, Lebenslauf)

Auf Druck der damaligen rot/grünen Bundesregierung hat Deutschland im Jahre 2000 den Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie („Atomausstieg“) beschlossen. Der Ausstieg war damals umstritten und er ist es heute noch viel mehr. In den letzten Jahren ist es weltweit zu einer deutlichen Neubewertung der Kernenergie gekommen. Ressourcenverknappung, zunehmende Abhängigkeit von ungesicherten Energieimporten und drohende Klimagefahren sind die wichtigsten Gründe hierfür, aber auch die gute Wirtschaftlichkeit und die generelle Umweltfreundlichkeit und andere Vorzüge der Kernenergie werden ins Feld geführt. Weltweit ist eine Renaissance der Kernenergie deutlich zu erkennen und Deutschland wurde schon mehrfach aufgefordert, seine Außenseiterrolle zu überdenken. In Deutschland wird heftig über eine Rücknahme des Ausstiegsbeschlusses („Ausstieg aus dem Ausstieg“) gestritten.

In diesem Beitrag wird der Frage nach der Sinnhaftigkeit des Ausstieges in vier Schritten nachgegangen: Zunächst wird der Zustand der Welt kurz dargelegt. Nur vor diesem kann die Frage zielführend beantwortet werden. Dann wird untersucht, welche Argumente für eine weitere Nutzung der Kernenergie sprechen und welche dagegen. Daraus wird dann schließlich die Antwort abgeleitet.

1. Der Zustand der Welt

Unsere Erde ist heute eine andere, als sie noch vor 100 Jahren war. Das rasante Anwachsen der Zahl der Menschen hat sie tiefgreifend verändert und dieser Prozess geht beschleunigt weiter. Immer mehr Menschen beanspruchen immer mehr Platz, verbrauchen immer mehr Ressourcen und belasten ihre Umwelt immer stärker. Aber nicht nur die wachsende Zahl der Menschen ist der Antrieb, auch das enorme Wohlstandsgefälle drängt auf Ausgleich: Vielleicht ein Viertel der Menschen lebt in beträchtlichem Wohlstand und die anderen drei Viertel sehen nicht ein, warum es ihnen so viel schlechter gehen soll. Wer ihnen ein besseres Leben nicht aus Menschlichkeit gönnt, sollte es wenigstens aus Eigennutz tun, denn ohne erheblichen Abbau der Wohlstandsunterschiede ist eine friedliche Entwicklung der Welt wohl kaum erreichbar. Die Kombination aus anhaltender Bevölkerungsexplosion und dringend notwendiger Beseitigung von Hunger und Elend wird den Rohstoffverbrauch und insbesondere den Energiebedarf innerhalb der nächsten Jahrzehnte mindestens noch auf das Doppelte anwachsen lassen.

Diesem wachsenden Bedarf stehen rasch abnehmende Vorräte gegenüber. Erdöl wird nach Meinung vieler Experten in 10 oder 20 Jahren wahrscheinlich seinen Höhepunkt überschritten haben und Erdgas wird vermutlich nur unwesentlich länger reichen. Nur Kohle dürfte noch für einige Jahrhunderte genug vorhanden sein. Aber dann ist auch die endgültig verbraucht. Dabei sind diese fossilen Energieträger eigentlich viel zu schade, um einfach verbrannt zu werden. Als Rohstoffe für Chemie- und Pharmaindustrie wären sie viel sinnvoller eingesetzt. Außerdem könnten sie dann wenigstens teilweise recycliert und wieder verwendet werden, einmal verbrannt sind sie für immer verloren. Zu beachten ist auch, dass die Vorräte an Erdöl und Erdgas fast ausschließlich in Regionen liegen, bei denen eine zukünftige reibungslose Versorgung aus politischen Gründen nicht unbedingt gewährleistet erscheint. Verringerung der Importabhängigkeit ist daher eine weitere dringende Aufgabe der Zukunftssicherung.

Aber es ist nicht nur die Versorgungsseite durch wachsenden Bedarf, schwindende Vorräte und politische Unsicherheiten angespannt, noch dramatischer scheint die Situation auf der Entsorgungsseite zu sein. Beim Verbrennen der fossilen Energieträger entsteht unvermeidbar CO2. Nach Meinung der meisten Fachleute belasten wir durch seine Freisetzung die Erde heute schon weit mehr, als sie tragen kann. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird sich das Klima höchstwahrscheinlich gravierend ändern, mit nicht absehbaren Folgen. Der Entsorgungsengpass greift vermutlich früher, als der Versorgungsengpass.

Auch wenn viele wissenschaftliche Detailfragen noch offen sind, müssen wir doch aus Vorsorgegründen die Freisetzungen von CO2 so rasch wie möglich reduzieren. Innerhalb der nächsten etwa 50 Jahre müssen wir eine Reduktion um mindestens 50 % gegenüber heute erreichen, in den Industrieländern sogar um mindestens 80 %. Das geht nur durch drastische Reduzierung der Verbrennungsprozesse – und das müssen wir entgegen dem stark wachsenden Energiebedarf erreichen. Innerhalb eines halben Jahrhunderts müssen wir unser Energiesystem völlig umkrempeln: Von einem System, bei dem (heute) rund 90 % unseres Energiebedarfes durch kohlenstoffhaltige Energieträger gedeckt werden, hin zu einem System, das weitgehend kohlenstofffrei ist.

Diese in der Menschheitsentwicklung beispiellose Umstellung werden wir nur schaffen, wenn wir einen Weg hierzu finden, der die Volkswirtschaften nicht allzu stark belastet. Kein Land wird Klimaschutzbemühungen umsetzen, wenn seine Volkswirtschaft hierdurch ernsthaft zusammenzubrechen droht. Bevor jemand heute verhungert, nimmt er lieber ein geändertes Klima morgen in Kauf. Das klingt für die wohlhabenden Industrienationen weit hergeholt, aber die Welt ist größtenteils durch Armut gekennzeichnet. Viele Entwicklungsländer haben genau diese Position schon sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Und auch in jedem Industrieland wird sich auf längere Sicht nur ein Weg durchsetzen lassen, der die Wettbewerbsfähigkeit wenigstens einigermaßen aufrecht erhält. Ausreichende Wirtschaftlichkeit des Lösungsweges ist daher eine unabdingbare Forderung.

Zu den angegebenen Problemen muss mindestens noch ein weiteres hinzugefügt werden: Das der zunehmenden Wasserverknappung für immer mehr Menschen. Eine Milliarde Menschen hat überhaupt zu wenig Wasser und weitere zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser bzw. sie verfügen über keine funktionierende Abwasseraufbereitung. Kriege um Wasser sind in Zukunft möglicherweise noch stärker zu befürchten, als Kriege um Energieressourcen. Dabei gibt es genug Wasser auf der Erde, es ist nur größtenteils salzig. Für seine Entsalzung werden zukünftig aller Voraussicht nach erhebliche Energiemengen benötigt werden, zusätzlich zu den anderen treibenden Faktoren.

All diese Probleme hängen vielfältig miteinander zusammen und sie lassen sich wahrscheinlich nur alle gemeinsam oder überhaupt nicht lösen. Jeder Lösungsansatz muss diesen Zusammenhängen gerecht werden (in meinem Buch „Globale Umweltprobleme – Ursachen und Lösungsansätze“, Friedmann Verlag München, 2004, ISBN 3-933431-31-X, habe ich nähere Ausführungen hierzu gemacht).

Auf eine Kurzformel gebracht lässt sich der Zustand unserer Welt wie folgt beschreiben: Wachsender Energiebedarf, schwindende Ressourcen, drohende Klimagefahren. Je später wir beginnen, massiv gegenzusteuern, desto geringer werden unsere Chancen auf Erfolg sein.

2. Was spricht für eine Nutzung der Kernenergie ?

Kernenergie kann zur Lösung aller genannten Probleme wesentliche Beiträge liefern:

  • Grosse Ressourcen:
    Bisher wird fast ausschließlich Uran als Kernbrennstoff verwendet, doch kommt mit Thorium noch ein zweiter Kernbrennstoff in der Natur vor. Uran gehört nicht zu den häufigen, aber auch nicht zu den wirklich seltenen Elementen auf der Erde. Thorium kommt etwa drei Mal so häufig vor wie Uran. Durch die hohe Energiedichte von Uran und Thorium (in beiden Fällen wird bei der Spaltung von einem kg etwa so viel Energie frei, wie bei der Verbrennung von einer Million kg Kohle) reichen die Vorräte sicher für Jahrtausende. Aus Sicht der Ressourcen kann Kernenergie jeden beliebigen Beitrag zur Lösung der genannten Probleme leisten. Von interessierter Seite immer wieder genannte andere Zahlen sind eindeutig falsch. (Weitere Informationen)
  • Zuverlässige Lieferländer:
    Uran (und Thorium) sind relativ gleichmäßig auf der Erde verteilt. Eine Abhängigkeit von politisch unzuverlässigen Lieferländern gibt es nicht.
  • Geringe Importabhängigkeit und hohe Versorgungssicherheit:
    Brennelemente für Kernkraftwerke sind im Wesentlichen ein technisches Veredelungsprodukt (die reinen Urankosten machen nur wenige Prozent der Stromgestehungskosten aus Kenkraftwerken aus). Kernenergie kann daher weitgehend als heimische Energie bezeichnet werden. Durch die hohe Energiedichte des Urans ist eine Bevorratung auch über mehrere Jahre technisch leicht und kommerziell zu nur sehr geringen Kosten möglich. (Weitere Informationen)
  • Sehr hohe CO2-Reduzierung:
    Kernkraftwerke setzen im Betrieb kein CO2 frei. Infolge der hohen Energiedichte der Kernenergie sind auch die mit der Brennstoffbeschaffung, dem Bau und späteren Abriss der Kernkraftwerke und mit der Endlagerung der Abfälle verbundnen „indirekten“ CO2-Freisetzungen sehr klein. Insbesondere sind sie kleiner als die analogen „indirekten“ CO2-Freisetzungen der Windenergie und viel kleiner als diejenigen der Sonnenenergie auf der Basis von Fotovoltaik. Um die sich abzeichnende Renaissance der Kernenergie zu verhindern, werden von interessierter Seite in letzter Zeit verstärkt gegenteilige Behauptungen aufgestellt, aber die sind eindeutig falsch. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen das zweifelsfrei. (Weitere Informationen)
  • Hohe Wirtschaftlichkeit:
    Kernenergie kann Grundlaststrom (rund um die Uhr verfügbarer Strom) zu fast konkurrenzlos niedrigen Preisen erzeugen. Nur Braunkohle kann da noch so in etwa mithalten. Alle anderen verfügbaren Stromerzeugungstechniken sind entweder klimaschädigend (weil sie CO2 frei setzen), oder sie sind höchstens in Nischenanwendungen wirtschaftlich konkurrenzfähig. Der wirtschaftliche Vorteil der Kernenergie gilt auch bei Berücksichtigung aller jemals aufgebrachten Fördermittel und bei Berücksichtigung aller externen Kosten. Auch da sind immer wieder öffentlich vorgebrachte andere Behauptungen einfach falsch.
  • Großer Beitrag zu geringen Kosten:
    In Kernkraftwerken erzeugter Strom kann sehr vielseitig eingesetzt werden. Kernkraftwerke können außerdem auch Fernwärme für Heizzwecke und Prozesswärme für die Industrie liefern. Mit der Energie aus Kernkraftwerken kann auch Treibstoff für Autos relativ kostengünstig und ohne Treibhausgasfreisetzungen hergestellt werden. Kernenergie kann daher einen ganz wesentlichen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems erbringen. Und sie kann diesen großen Beitrag ohne oder zumindest ohne wesentliche Mehrkosten erbringen. Eine Lösung des Klimaproblems unter maßgeblicher Beteiligung der Kernenergie ist nicht nur viel erfolgversprechender, sondern vor allem mit Abstand billiger als jeder andere Lösungsversuch.
  • Ölsparen in den Industrieländern als Solidarbeitrag für die Menschen in den Entwicklungsländern:
    Kernenergie, in großem Maßstab in den Industrieländern eingesetzt, kann deren Ölverbrauch entscheidend drosseln und so das Erdöl, soweit es überhaupt noch verfügbar ist und auch aus Klimaschutzgründen noch eingesetzt werden darf, vornehmlich den Entwicklungsländern überlassen. Aufgrund seiner leichten Handhabbarkeit ist es in den Entwicklungsländern mit den dort vorhandenen Mitteln und der dort vorhandenen Infrastruktur die mit Abstand wichtigste Energieform. Solange die reichen Industrieländer selbst viel Erdöl verbrauchen und über ihre Finanzkraft den Marktpreis nach oben treiben, haben die Entwicklungsländer kaum eine Chance, aus dem Teufelskreis von Armut und Umweltzerstörung herauszukommen.
  • Lösung des Wasserproblems:
    Kernenergie kann auch hervorragend zur Meerwasserentsalzung eingesetzt werden.
  • Umweltschonend:
    Kernkraftwerke sind nicht nur CO2-frei, sondern sie setzen auch keine anderen Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Asche oder Feinstaub frei. Sie haben also nicht nur einen Klimavorteil, sondern auch einen generellen Umweltvorteil.
  • Nur sehr geringe Strahlenfreisetzung im Normalbetrieb:
    Die von Kernkraftwerken im Normalbetrieb freigesetzten Mengen ionisierender Strahlung sind so gering, dass sie in der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlenexposition vollkommen untergehen und sicher keine nachteiligen gesundheitlichen Effekte haben. Alle Versuche, festgestellte Krebserkrankungen in der Umgebung von Kernkraftwerken auf Strahlenemissionen aus diesen zurückzuführen, haben sich als wissenschaftlich nicht haltbar erwiesen.
  • Vergleichsweise geringes Unfallrisiko:
    Das Risiko einer Technik ist durch die Wahrscheinlichkeit eines Schadens und dessen Ausmaß im Eintrittsfalle bestimmt. Bei einer umfassenden Betrachtung (Lebensdauerzyklen „von der Wiege bis zur Bahre“) ist das Risiko von Kernkraftwerken viel kleiner als das anderer Industriezweige und insbesondere auch kleiner bis viel kleiner als das der meisten konkurrierenden Stromerzeugungstechniken. Auch diese Aussage steht im Gegensatz zu immer wieder öffentlich vorgebrachten gegenteiligen Behauptungen, aber alle sorgfältigen wissenschaftlichen Untersuchungen haben zum gleichen Ergebnis geführt: Das Risiko von Kernkraftwerken ist vergleichsweise klein. Es ist nicht Null, aber es ist viel kleiner als das aus einem Verzicht auf Kernenergie resultierende Risiko. (Weitere Informationen)
  • Vorteile bei der Entsorgung:
    Wenn man Kernkraftwerke zum Klimaschutz einsetzt, so ersetzt man dabei das völlig ungelöste Problem der Entsorgung von CO2 durch das wissenschaftlich und technisch ausreichend gelöste Problem der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Diese Aussage klingt sicher für viele Leser überraschend, aber das ändert nichts an den Fakten. (Weitere Informationen)

3. Was spricht gegen eine Nutzung der Kernenergie?

Eigentlich nichts. Die meisten Fragestellungen sind oben schon indirekt mit beantwortet:

  • Nicht genügende Uranvorräte:
    Fehlanzeige, Uran reicht für Jahrtausende. (Weitere Informationen)
  • Zu teuer:
    Fehlanzeige, Kernenergie ist viel billiger, als andere CO2-freie Energieformen. Je umfangreicher die CO2-Einsparung, desto größer der Kostenvorteil der Kernenergie.
  • Keine ausreichende CO2-Reduzierung:
    Fehlanzeige. Diese Behauptung ist eine reine Zweckaussage ideologisch festgelegter Kernenergiegegner ohne sachliche Berechtigung.
  • Strahlenschäden im Normalbetrieb:
    Fehlanzeige, dazu sind die Strahlenfreisetzungen viel zu klein.
  • Unzureichende Sicherheit:
    Fehlanzeige, das Risiko von Kernkraftwerken ist viel kleiner als das vieler anderer Techniken (vor allem ist es sehr viel kleiner als das Klimarisiko).
  • Terroristische Anschläge:
    Fehlanzeige, die sehr effektiven Sicherheitssysteme der Kernkraftwerke bieten auch einen sehr guten Schutz gegen Terroristen. Zusätzliche gezielte Vorsorgemaßnahmen gegen terroristische Eingriffe bieten zusätzlichen Schutz. Nachrechnungen haben z. B. gezeigt, dass moderne deutsche Kernkraftwerke auch einen (zufälligen oder absichtlich herbeigeführten) Absturz eines Großraumflugzeuges ohne ernsthafte Beschädigungen aushalten. Terroristen finden viel lohnendere Ziele, die viel leichter „zu knacken“ sind.
  • Ungelöste Entsorgung:
    Fehlanzeige, die Entsorgung ist bei der Kernenergie sehr viel besser gelöst als bei fossilen Kraftwerken.
  • Proliferationsrisiko (Weiterverbreitung von Kernwaffen):
    Theoretisch kann man Kernkraftwerke missbrauchen, um mit ihrer Hilfe Atombomben zu bauen. Aber Atombomben kann man auch ohne Kernkraftwerke bauen. Bisher hat noch kein Land, das über Atombomben verfügt oder diesbezüglich in Verdacht steht, diese auf der Basis eines zivilen Kernkraftwerksprogramms entwickelt. Andere Wege sind technisch leichter zu beschreiten und auch leichter geheim zu halten. Gegen diese anderen Wege muss man sich auf jeden Fall durch Überwachung und Kontrollen schützen, unabhängig davon, ob ein Land Kernkraftwerke betreibt oder nicht. Soweit ein Land die Überwachung zulässt, hat diese bisher auch immer funktioniert.

    Zum Thema „Kernkraftwerke und Atombomben“ sind noch zwei Anmerkungen erforderlich: Erstens ist das Know-how, wie man Atombomben baut, in der Welt vorhanden und kann durch nichts mehr zum Verschwinden gebracht werden. Wenn ein Land Bomben bauen will, kann es das auch tun. Nicht ganz so leicht, wie sich das Manche vorstellen, und auch nicht von heute auf morgen, aber über kurz oder lang gelingt es auch einem äußerst armen Land, wie die Erfahrung zeigt. Eine Überwachung kann die Absicht zum Bombenbau zwar frühzeitig erkennen und damit die Realisierung über Sanktionen und dergleichen vielleicht erschweren, sie kann den Bau von Bomben aber letztlich nicht zuverlässig verhindern. Das könnte höchstens der Einsatz von Gewalt. Auch das scheint die politische Realität zu bestätigen.

    Zweitens ist es vor allem eine politische Entscheidung, ob ein Land Kernwaffen zu bauen versucht oder nicht. Je ärmer das Land ist und je mehr es sich allein gelassen fühlt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich auf ein atomares Abenteuer einlässt. Und wenn einmal ein Entschluss dazu gefasst ist, ist das Land von diesem Weg fast nicht mehr abzubringen. Auch das bestätigt die Erfahrung. Entscheidend ist also, ob ein Land tatsächlich Bomben haben will. Einem solchen Wunsch rechtzeitig vorzubeugen, muss daher der Ansatz zur Lösung des Problems sein. Kernkraftwerke können in diesem Sinne einen doppelten Einfluss ausüben: Einerseits können sie helfen, die Armut eines Landes bzw. seiner Bevölkerung zu überwinden und damit den Wunsch eines Landes nach Atombomben möglichst klein zu halten. Anderseits kann man im Tausch für die Zustimmung zu Kernkraftwerken und Mithilfe bei ihrer Errichtung vielleicht die Zustimmung des Landes zum Verzicht auf Bomben und zu einer lückenlosen Überwachung erhalten. Auf beiden Wegen können Kernkraftwerke einen effektiven Beitrag zur Eindämmung der Proliferationsgefahr leisten. Diese ist mit Kernkraftwerken eher kleiner als ohne solche. Das Proliferationsrisiko als Argument gegen Kernkraftwerke ist also auch eine Fehlanzeige.

4. Zusammenfassung und Antwort

Das Klimaproblem und alle anderen genannten Probleme müssen wir ernst nehmen. Zu ihrer Lösung kann Kernenergie einen wesentlichen Beitrag leisten. Es gibt viele wichtige Argumente, diesen Nutzen der Kernenergie auch praktisch anzunehmen und es gibt keine ernsthaften Argumente dagegen. Vor dem Hintergrund öffentlich gemachter und veröffentlichter Aussagen zur Kernenergie mögen die hier gemachten Ausführungen überraschend oder zumindest sehr einseitig erscheinen, aber sie sind alle durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Auf die Frage „Atomausstieg – ja oder nein?“ gibt es daher eine klare und gesicherte Antwort: „Nein“. Ein Ausstieg würde nur die Lösung aller Probleme wesentlich erschweren, vielleicht sogar unmöglich machen. Auf jeden Fall würde er das insgesamt gegebene Risiko deutlich erhöhen und nicht reduzieren. Die meisten Länder favorisieren deshalb heute (wieder) die Kernenergie, Deutschland wird höchstwahrscheinlich über kurz oder lang folgen. Je früher, desto mehr werden die Wirtschaft und mit ihr auch die Menschen davon profitieren.

Siehe auch

Zu einem Teil der hier angeschnittenen Fragen finden sich weiterführende Informationen in mehreren Beiträgen unter www.Energie-Fakten.de:

Literatur

  • Eike Roth: „Sonnenenergie – Was sie bringt - was sie kostet“, Friedmann Verlag München 1999, ISBN 3-933431-05-0

Dieser Beitrag wurde am 15. Mai 2007 veröffentlicht.

Jemandem diese Seite per Email empfehlen.
Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.