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Veröffentlicht: April 2004

Biomasse-Kraftwerke zur Klimavorsorge?

Von Eike Roth
(
Eike.Roth@energie-fakten.de, Lebenslauf)

Hier die FaktenEike Roth

Immer, wenn man Biomasse verbrennt, entsteht dabei CO2, das dann in die Atmosphäre freigesetzt wird. Die „Philosophie des Gesetzgebers“ zur Förderung der Biomasse geht davon aus, dass bei der Verbrennung von Biomasse genau so viel CO2 freigesetzt wird, wie seinerzeit zum Aufbau der Biomasse aus der Atmosphäre entnommen wurde. Das stimmt natürlich, aber die daraus abgeleitete Behauptung, die energetische Biomassenutzung wäre auch in der Praxis klimaneutral, stimmt nicht, und sie ist auch nicht zielführend.

1. Die Behauptung stimmt nicht:

CO2-neutral ist die Verbrennung von Biomasse nur, wenn die Biomasse am Ort ihrer Entstehung ohne jede Handhabung und ohne technische Einrichtungen verbrannt wird. Auf diese Art ist sie aber energetisch praktisch nicht nutzbar. Jede tatsächliche energetische Nutzung

  • setzt technische Einrichtungen zur Verbrennung und ggf. zur Umwandlung der dabei entstehenden Wärmeenergie in Strom oder in eine andere Sekundärenergieform voraus,
  • erfordert im Allgemeinen Handhabungen der Biomasse (Ernten, Verarbeiten, Transporte), wofür Werkzeuge oder technische Einrichtungen benötigt werden, und
  • erfordert häufig auch Maßnahmen zur Verbesserung der Ernteerträge der Biomasse (Anpflanzen, eventuell Bewässerung und Düngung, Pflege), wofür wieder Werkzeuge und technische Einrichtungen benötigt werden.

Um alle erforderlichen Werkzeuge und technischen Einrichtungen herzustellen, benötigt man (unter anderem) Energie, und bei Durchführung der entsprechenden Tätigkeiten verbraucht man wieder Energie. Diese Energieverbräuche sind im Allgemeinen mit CO2-Freisetzungen verbunden, sodass die gesamte CO2-Bilanz der Biomasse-Verbrennung nicht mehr ausgeglichen ist. Z. B. beim Biodiesel sind diese zusätzlichen CO2-Freisetzungen manchen Schätzungen zufolge in etwa gleich groß, wie die CO2-Freisetzungen bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff aus Mineralöl. Wenn das zutrifft, ist Biodiesel genauso klimaschädlich wie normaler Diesel, nur viel teurer (volkswirtschaftlich, d. h. ohne Subventionen und unterschiedliche steuerliche Belastungen).

Außerdem ist die für gute Enteerträge meist unerlässliche Düngung grundsätzlich mit N2O-Freisetzungen verbunden. N2O ist aber ein starkes Treibhausgas. Seine Klimabeeinflussung ist zu der des CO2 hinzuzurechnen. Zwar bestehen hier noch erhebliche Wissenslücken, doch bei einer korrekten Gesamtbetrachtung könnte Biodiesel – um bei diesem Beispiel zu bleiben – sehr wohl klimaschädlicher sein als normaler Diesel.

2. Die Behauptung ist nicht zielführend:

Das Ziel der politisch gewollten Biomassenutzung ist die Vorsorge gegen drohende Klimagefahren als Folge anthropogener Treibhausgas-Freisetzungen. Selbst in den Fällen, in denen bei Biomassenutzung tatsächlich weniger CO2 (und andere Treibhaugase!) in die Atmosphäre freigesetzt werden als bei Einsatz fossiler Energien, wäre es dem Ziel viel dienlicher, die Biomasse nicht zu verbrennen, sondern sie als Kohlenstoffspeicher einzusetzen. Die benötigte Energie können wir anderweitig mit weit geringeren CO2-Freisetzungen erzeugen (vor allem durch Kernenergie) und die Biomasse sollten wir in eine lagerfähige Form überführen, um den Kohlenstoff für einige Jahrhunderte von der Atmosphäre fernhalten.

Siehe auch:

Literatur

  • „Globale Umweltprobleme - Ursachen und Lösungsansätze“ von Eike Roth
    Friedmann Verlag München 2004, ISBN -933431-31-X

Diese Antwort entstand auf eine Frage eines Lesers im März 2004 und wurde am 8. April 2004 veröffentlicht.

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