Energie-Fakten -> Archiv ->Allgemein interessierenden Antworten auf Fragen von Lesern ->
Ist die Erzeugung von Strom aus Biogas, das in Biogasanlagen gewonnen wird, heute schon wirtschaftlich ?

Ist die Erzeugung von Strom aus Biogas, das in Biogasanlagen gewonnen wird, heute schon wirtschaftlich?

Von Eberhard Wagner
(
Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, )Wagner

Kurzantwort

Die Erzeugung von Strom aus Biogasanlagen ist bei den allgemein gültigen Kriterien über Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit in industriellen Staaten nicht wirtschaftlich. Das gilt voraussichtlich auch langfristig, wenn diese Stromerzeugung mit der herkömmlichen/konventionellen Stromerzeugung verglichen wird. In Entwicklungsländern mit schlecht ausgebautem Stromnetz kann die Stromerzeugung aus Biogasanlagen allerdings örtlich sehr wohl wirtschaftlich sein, wenn einerseits örtlich ausreichend viel Biogas anfällt und andererseits konventionelle Brennstoffe sehr teuer sind, z. B. infolge fehlender Transportwege. Diese Beurteilung erstreckt sich auch auf alle anderen Techniken der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien.

Einzelheiten

Gemeinhin ist eine Sache wirtschaftlich, wenn deren Herstellung – hier die Betriebskosten einer Biogas-Anlage einschließlich der sonstigen Kosten (auch Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Kapitalkosten), Gewinn, Vertrieb, Steuern usw.) - ohne eine staatliche oder ähnliche Förderung (Subvention, Steuervorteil usw.) auf dem Markt konkurrenzfähig/wettbewerbsfähig ist. Diese Betrachtungsweise entspricht der volkswirtschaftlichen Sicht. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht kann Wirtschaftlichkeit allerdings auch über Subventionen oder Ähnliches erreicht werden.

Die eindeutige Beurteilung der „Strom-Erzeugungskosten“ einer Anlage setzt die Kenntnis der vorgenannten Kostenbestandteile voraus. Dieses ist in der Regel für Außenstehende sehr schwierig. Im vorliegenden Falle kann man sich über dieses Detailwissen hinwegsetzen, weil die Vergütung für diese Stromerzeugung durch eine gesetzliche Regelung festgelegt worden ist. Der Staat will dadurch eine Erhöhung des Anteils der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien erreichen. Die Stromerzeugung aus Biogas zählt dazu. Dass überhaupt eine gesetzliche Regelung eingeführt worden ist, ist ein deutlicher Hinweis auf eine unwirtschaftliche, grundsätzlich nicht wettbewerbsfähige Stromerzeugung. Umgekehrt: Wären diese Anlagen von sich aus „wirtschaftlich“, bedürfte es keiner gesetzlichen Förderungsregelung. Das Gesetz ist das „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG)“ – jüngste Novellierung vom 1. August 2004.

Das Gesetz verpflichtet den im Bereich der Biogasanlage befindlichen Stromnetzbetreiber, den „Biogas-Strom“ aufzunehmen und zu vergüten. Der Netzbetreiber muss dem Anlagenbetreiber den Strom quasi abkaufen, unabhängig davon ob er diesen zum Zeitpunkt der Erzeugung – leistungsmäßig und /oder mengenmäßig - nutzen kann, bzw. ob dieser Strom für den Netzbetreiber überhaupt „betriebswirtschaftlich“ verwertbar ist. Das Gesetz sieht eine Weitergabe des Stroms vom unmittelbar aufnehmenden Netzbetreiber an den übergeordneten Übertragungs-Netzbetreiber – ÜNB - (Hoch- und Höchstspannungsnetz) vor. Dieser wiederum gleicht das EEG-Stromaufkommen mit den anderen ÜNB aus. Alle ÜNB „verteilen“ diesen Strom an die sonstigen (untergeordneten) Netzbetreiber; diese verteilen den Strom dann an alle Endverbraucher (normale Stromkunden). Die Stromkunden müssen letztlich die Kosten des EEG-Stromes bezahlen. Das Prinzip der Strom-Lieferungen an die ÜNB und die Rücklieferungen an die anderen Netzbetreiber und sodann an die Endverbraucher ist eine rein rechnerische Prozedur. Physikalisch wirkt/verbleibt der Strom in der unmittelbaren Nähe der Erzeugungsanlagen, dies aufgrund der Stromeigenschaft, den Weg zu suchen, der dem geringsten Transport-Widerstand entspricht (Kirchhoff’sche Gesetze).

Man kann nun davon ausgehen, dass die gesetzlich vorgeschriebene Vergütung so hoch ist, dass diese dem Betreiber einen ausreichenden Gewinn aus dem Betrieb der Anlage verschafft. Die Festlegungen im Gesetz basieren auf wirtschaftswissenschaftlichen Beurteilungen und wesentlich auch auf der Einflussnahme der Interessenverbände der Regenerativen Energien auf die Politik. Dieser „Mechanismus“ wird deutlich durch die permanente Erhöhung der Vergütungsregelungen bei der Weiterentwicklung der Gesetzgebung ausgehend vom sog. Stromeinspeisungsgesetz, welches 1991 in Kraft getreten war, bis heute. Die Vergütung von Strom aus Biogasanlagen betrug 1991 etwa 6,9 Cent/kWh (13,8 Pf/kWh). Die derzeit gültige Vergütung beträgt für ältere und noch im Jahre 2004 in Betrieb genommene Klein-Biogasanlagen mit der Möglichkeit der Wärmenutzung (Kraft-Wärme-Kopplung) 19,5 Cent/kWh.

Diese Werte sind zu vergleichen mit den Stromerzeugungs-Kosten in derzeitigen herkömmlichen/konventionellen Kraftwerken. Die Stromerzeugungs-Kosten betragen derzeit in Kernkraft-, Braunkohle-, Steinkohle- und Erdgas-Kraftwerken etwa 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde, auch ältere, abgeschriebene große Wasserkraftwerke haben Erzeugungskosten in diesem Bereich.

Ergebnis

Der Vergleich zeigt, dass die Stromerzeugung in Biogas-Anlagen beim Anlegen wirtschaftlicher Kriterien nicht wettbewerbsfähig ist. Dies wird sich auch kaum verändern, wenn man davon ausgeht, dass in den kommenden Jahren – auch in Abhängig der Notwendigkeit des Neubaus von konventionellen Kraftwerken infolge eines möglichen Verzichtes auf die Nutzung der Kernkraft - neue konventionelle Kraftwerke gebaut werden müssen. Deren Erzeugungskosten sind zwar deutlich höher als die der heute schon abgeschriebenen Anlagen, aber immer noch weit unter den genannten Einspeisevergütungen für Biogasanlagen. Auch Rationalisierungseffekte und allgemein wirkende Preissteigerungseffekte werden die Kosten-Proportionen nicht entscheidend verändern können. 

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde am 24. Januar 2006 veröffentlicht.
Jemandem diese Seite per Email empfehlen.

Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.