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Lohnt sich das Heizen mit Holz ?
Welche Umweltvorteile hat es ?

Von Dieter Herrmann
(
Dieter.Herrmann@energie-fakten.de, Lebenslauf)D. Herrmann

Auf den ersten Teil Ihrer Anfrage kann mit einem klaren „Jein“ geantwortet werden! Wenn Sie es eindeutiger haben möchten, müssen Sie aber genauer angeben, was Sie unter „sich lohnen“ verstehen. Das ist nämlich sehr stark von den jeweiligen konkreten Wünschen und Bedingungen abhängig. Hierzu im Folgenden ein paar Überlegungen in Thesenform, versehen mit einigen Zwischenüberschriften:

Holzheizung als Kulturgut und Katastrophenreserve

  1. Also, wenn Ihnen nach ein paar romantischen Stunden auf dem Bärenfell vor dem Kamin zu Mute ist, ist Holz als Brennstoff sehr zu empfehlen. Elektrokamine haben einfach nicht das Gewisse Etwas! Darüber hinaus hat der Holzkamin den Charme, dass er auch dann noch funktioniert, wenn sowohl Strom als auch Gas ausgefallen sind. Natürlich hat diese Art „Holzheizung“ ihren Preis, sie kann Ihnen aber neben dem gelegentlichen Gefühl besonderer Behaglichkeit auch noch jenes der Sicherheit vermitteln, auch im Katastrophenfall nicht frieren zu müssen.

Holzheizung als wirtschaftliche Alternative

  1. Aber vielleicht wollen Sie auch nur Ihre Wohnung möglichst bequem, kostengünstig und umweltfreundlich warm bekommen? Dann lautet die Antwort im Allgemeinen „Nein“! Festbrennstoffheizungen, und hierzu gehört die Holzheizung, sind in der Regel sehr arbeitsaufwändig und verursachen erhebliche Emissionen an Luftschadstoffen. Das waren in der Vergangenheit auch die Hauptargumente, warum sich Öl- und Gasheizung oder auch Fernwärme durchgesetzt haben. Und wenn Sie Ihr gesägtes, gespaltenes und getrocknetes Kaminholz im Baumarkt kaufen müssen, wird der Spaß auch noch richtig teuer. Selbst bei den gegenwärtig gestiegenen Erdgaspreisen heizen Sie mit dem Kaminholz aus dem Baumarkt unter Berücksichtigung des niedrigeren Wirkungsgrades rund doppelt so teuer wie mit Gas. Holzheizung ist also reiflich zu überlegen, es sei denn, es gilt Punkt 1, oder Sie kommen günstiger zu Brennholz!
  2. Preiswerter als Kaminholz ist z. B. die Verwendung sogenannter Holzbriketts. Das sind in der Regel Abfälle aus der Holzverarbeitung, die, großformatig verpresst, wie Scheitholz gehandhabt werden können. Deren Preis beruht im Wesentlichen darauf, welche anderen Brennstoffe hierdurch wirtschaftlich ersetzt werden können. Generell deutlich billiger als über den Baumarkt können Sie kommen, wenn Sie Holz direkt über Forstwirtschaftsbetriebe beziehen. Diese bieten frisches Holz in verschiedenen Graden der Konfektionierung an, von der Selbstwerbung bis zu „gesägt und gespalten“. Sie haben dann die Möglichkeit, entweder mehr eigene körperliche Ausarbeitung oder mehr Geld zu investieren. In der Regel bleibt Ihnen das Transportproblem vom Ort der Gewinnung zu Ihrem heimatlichen Herd und - das Holz muss wenigstens ein Jahr, besser zwei Jahre, an der Luft trocknen, ehe Sie es verfeuern.
  3. Ganz anders stellt sich die Frage für Eigentümer von größeren Obstgärten oder von Waldgrundstücken, bei denen aus der normalen Bewirtschaftung regelmäßig bestimmte Mengen an Holz anfallen, die sinnvollerweise über eine Holzheizung zu „entsorgen“ sind. Hierbei ist es vor allem eine Frage der anfallenden Holzmengen und -qualitäten, was für eine Art der Holzheizung sich empfiehlt, ob diese nur für einen gelegentlich zu betreibenden Kaminofen ausreichen, als Zusatzbrennstoff bei einer ohnehin noch vorhandenen Kohlefeuerung, oder ob sich die Anschaffung einer speziellen Holzfeuerung lohnt. Und im übertragenen Sinne gilt das auch generell für dünner besiedelte waldreiche Gegendenden, wo sich Holz im größeren Stil in Konkurrenz zu fossilen Brennstoffen anbietet. Je mehr Holz als Brennstoff kostengünstig zur Verfügung steht und verwendet wird, desto wichtiger und lohnend sind Anstrengungen für dessen möglichst wirtschaftliche und schadstoffarme Verbrennung.

Holzheizung als technische Herausforderung

  1. Heizöl und noch mehr Erdgas sind sehr homogene und reine Brennstoffe, die kontinuierlich dem Brenner zugeführt, optimal mit Luft gemischt und innerhalb von Sekunden vollständig und schadstoffarm verbrannt werden können. Sie ermöglichen weitgehende Bedienungsfreiheit der Heizung sowie eine nahezu trägheitslose Anpassung der mittleren Kesselleistung an den jeweiligen Wärmebedarf. Ganz anders sind die Verhältnisse bei Festbrennstoffen, und hierbei speziell bei Holz. Scheitholz macht eine automatische Beschickung der Öfen so gut wie unmöglich. Der Verbrennungsprozess durchläuft relativ langsam die Phasen Nachtrocknung und Schwelung, Verbrennung mit intensiver Flammenentwicklung, Nachglühen der verbliebenen Holzkohlen. Von dessen optimaler Gestaltung (Luftüberschuss und Zündbedingungen) hängt sehr stark ab, in welchem Maße unverbrannte Bestandteile (Partikel, CO, CH4 u. a.) emittiert werden, die zu einer erheblichen Umweltbelastung und zur Senkung des Feuerungswirkungsgrades führen. Aber auch bei optimaler Prozessführung begünstigt die Verbrennung des zellulosereichen Brennstoffs die Entstehung von Stickoxiden und anderen Luftschadstoffen, die bei Kleinanlagen ohne nachgeschaltete Rauchgasreinigung zwangsläufig emittiert werden. Das heißt, gegenüber den heutigen Standard-brennstoffen Erdgas und Heizöl ist Holzfeuerung nicht nur arbeitsaufwändiger, sondern auch umweltbelastender. Lediglich in Bezug auf das Klimagas CO2 sind deutliche Vorteile zu erkennen, auf die noch einzugehen sein wird.
  2. Die technische Entwicklung von Kleinfeuerungen auf Holzbasis ist vor allem darauf gerichtet, den Bedienungsaufwand zu reduzieren und gleichzeitig durch Optimierung des Verbrennungsprozesses Wirkungsgrad und Umweltfreundlichkeit zu verbessern. Bei der Annäherung an diese z. T. gegensätzliche Ziele werden unterschiedlichste Ansätze verfolgt. Einer der ältesten ist die Wärmespeicherung im Kachelofen. Dabei wird eine größere Brennstoffmenge innerhalb relativ kurzer Zeit mit etwa optimalem Luftüberschuss, d. h. vergleichsweise hohem Wirkungsgrad und geringem Schadstoffausstoß verbrannt. Die Wärme wird bei hohen Temperaturen im Ofen gespeichert und allmählich abgegeben. Bei Warmwasserheizungen mit Holzkessel übernimmt oft ein Warmwasserspeicher diese Aufgabe. Andere Lösungsansätze gehen von einer dosierten Verbrennung eines größeren Vorrates an Scheitholz im Kessel aus, von dem durch unterschiedliche konstruktive Maßnahmen (mechanische Beschickungsvorrichtungen, spezielle Art des Abbrandes von oben nach unten u. a.) immer nur ein kleiner Teil erhitzt und verbrannt wird. Günstige Möglichkeiten der Beschickung und Steuerung des Verbrennungsprozesses bietet die Verwendung von Holzpellets. Das sind kleine rieselfähige Holzpresslinge, die eine kontinuierliche Beschickung über Förderschnecken direkt aus dem Vorratssilo ermöglichen. Allerdings sind alle diese Verbesserungen mit Mehrkosten verbunden, die bei Wirtschaftlichkeitsvergleichen zu berücksichtigen sind.
  3. Die technischen Probleme relativieren sich, wenn Holz in größerem Maßstab in Form von Hackschnitzeln oder Rindenabfällen in Heizwerken oder kleinen Heizkraftwerken für die Wärmegewinnung bzw. eine gekoppelte Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt wird. In jenen Dimensionen ist es möglich, durch entsprechende Mechanisierung bzw. Automatisierung sowie eine nachgeschaltete Rauchgasreinigung zu befriedigenden Lösungen sowohl bezüglich Leistungsregelung, Wirkungsgrad und Umweltschutz (Schadstoffemissionen) zu gelangen. Grenzen gibt es aber hinsichtlich der Brennstoffbeschaffung, da hinreichend große und möglichst waldreiche Einzugsgebiete in der Nähe zur Verfügung stehen müssen. Anderenfalls gefährden zu hohe Transportkosten die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit solcher Anlagen.

Holzheizung als nachhaltige Zukunftslösung ?

  1. Als ganz wesentliche Vorteile der Verwendung von Holz bzw. Biomasse als Energieträger sind anzusehen, dass es sich um nachwachsende Brennstoffe handelt, und das hierbei freigesetzte CO2 erst wenige Jahre vorher aus der Atmosphäre gebunden worden ist. Es wäre auch ohne Verbrennung, durch biologische Abbauprozesse in absehbarer Zeit wieder in die Atmosphäre gelangt. Und, soweit es sich dabei um ohnehin zu entsorgende Abfälle aus Forstwirtschaft oder Holzverarbeitung handelt, können selbst die CO2-Emissionen, die mit dem Einsatz fossiler Brennstoffe bei Anbau, Pflege, Ernte und Aufbereitung des „Biobrennstoffs“ verbunden sind, diesem nur bedingt „angelastet“ werden. Doch trotz dieser unbestrittenen Vorteile ist Biomasse realistischerweise weit davon entfernt, strategische Alternative zur Nutzung fossiler Brennstoffe zu sein. Dagegen spricht vor allem das begrenzte Aufkommen entsprechender Abfälle, die überdies auch zunehmend für eine stofflich Verwertung interessant sind. Der Übergang von der bloßen Abfall- und Reststoffnutzung zu einer gezielten Energiepflanzenproduktion steht in potenzieller Konkurrenz zu Nahrungsgüterproduktion und dem Erhalt knapper Naturlandschaften. Dem dabei erzeugten Biobrennstoff wären dann auch alle mit seiner Produktion verbundenen Kosten und Emissionen anzulasten. Das heißt, speziell unter den Bedingungen eines dicht besiedelten Industrielandes kann Holzheizung bzw. energetische Biomassenutzung immer nur eine Nischenlösung sein, die es aber so intelligent und effizient wie möglich zu gestalten gilt.
  2. Grundlegend anders stellt sich die Situation in vielen Entwicklungsländern dar, wo große und oft sehr dünn besiedelte Gebiete bislang nicht an eine kommerzielle Energieversorgung angeschlossen sind, und Menschen ihren zwangsläufig bescheidenen Energiebedarf mit einfachster Technik durch Brennholz bzw. Biomasse decken müssen. Durch moderne Anlagentechnik, wie sie in Industrieländern als „Nischenlösung“ entwickelt und erprobt wird, ist es möglich, diese Brennstoffe ungleich effizienter und umweltfreundlicher auszunutzen und „mehr daraus zu machen“. Beispielsweise können auf dieser Grundlage an geeigneten Standorten dezentrale Systeme der Elektrizitätsversorgung aufgebaut werden, die Voraussetzung für eine spätere Einbindung in landesweite Verbundsysteme sind. Die intelligente Biomassenutzung stellt sich hier somit vor allem als ein notwendiger, zeitlich aber begrenzter Zwischenschritt auf dem Wege zum Aufbau kommerzieller Energieversorgungssysteme dar. Darin hat auch ein gezielter Anbau von „Energiepflanzen“ ihren Platz, der fortschreitender Abholzung entgegenwirkt und Wege in eine moderne Land- und Forstwirtschaft ebnet.
  3. Die Frage, wie sich Energie- bzw. speziell Wärmeversorgung weltweit langfristig entwickeln können, wenn weder fossile Brennstoffe noch Biomasse eine ausreichende und nachhaltige Bedarfsdeckung ermöglichen, ist heute durchaus noch umstritten. Von großer Bedeutung wird nicht nur die Reduzierung des spezifischen Wärmebedarfs beim Endverbraucher sein, sondern auch der Ersatz „hochwertiger“ Brennstoffe durch „minderwertigere“ Wärme, wie sie bei der Stromerzeugung im großen Stil ausgekoppelt werden kann oder als Abwärme in der Industrie anfällt. Damit wird nicht nur Primärenergie eingespart, sondern auch die Abhängigkeit von jeweils besonders teuren oder umweltbelastenden Primärenergieträgern verringert. Voraussetzung ist aber der Aufbau entsprechender Wärmenetze und die Umrüstung von Wärmeverbrauchern. Wie u. a. in Deutschland realisierte Beispiele zeigen, können moderne holzgefeuerte Heiz- oder Heizkraftwerke, die mit dem Aufbau geeigneter Nah- bzw. Fernwärmesysteme verbunden sind, solche Entwicklungen wirksam unterstützen.

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde am 2. März 2006 veröffentlicht.

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