Energie-Fakten -> Allgemein interessierende Antworten auf Fragen von Lesern -> Wie kommt es, dass Japan in seiner Insellage seit der Tsunami-Katastrophe ohne Kernkraftwerke seine Stromversorgung sichern konnte?
Veröffentlicht: 23. Juni 2012

Wie kommt es, dass Japan in seiner Insellage seit der Tsunami-Katastrophe ohne Kernkraftwerke seine Stromversorgung sichern konnte?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Bis zum Reaktorunfall in Fukushima lieferten die 54 Kernkraftwerke Japans etwa 30 % des Stromes, seit März waren zunächst noch 5 Reaktoren in Betrieb, die dann aber auch für Revisionsarbeiten abgeschaltet werden mussten. Der Ausgleich dieses Defizits erfolgte auf zwei Wegen:

  • Hohe Ausnutzung der Öl- und Gaskraftwerke, die bisher nur für die Spitzenlast eingesetzt wurden. Damit sind erhebliche Mehrkosten verbunden. Außerdem müssen diese Kraftwerke demnächst auch Wartungsarbeiten unterzogen werden.
  • Senkung des Strombedarfs durch zahlreiche Maßnahmen bei Beleuchtung und öffentlichem Verkehr, vor allem durch eine Verringerung der Kühlleistung der Klimaanlagen, die für den hohen Energieverbrauch im Sommer verantwortlich sind. Dazu wurde die sonst so strenge Kleiderordnung geändert, man trägt keine Krawatte mehr.

Angesichts des überlasteten Kraftwerksparks will die japanische Regierung jetzt nach Stresstests wieder Kernkraftwerke ans Netz gehen lassen. Am 8. Juni '12 erklärte der japanische Premierminister Noda, dass die Blöcke 3 und 4 des Kernkraftwerks Ohi wieder gestartet würden, nachdem alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Anlagen vor Erdbeben und Tsunamis getroffen worden seien. Weitere Wieder- Inbetriebnahmen werden folgen, da die japanische Regierung fürchtet, anders den Spitzenbedarf im Sommer nicht decken zu können.


Siehe auch

  1. Übergeordnetes -> Länder -> Japan
  2. Was geschieht bei einem längeren Stromausfall? („black out“)
  3. Japan wird vorübergehend atomstromfrei – Der Regierung gelingt die rechtzeitige Wiederaufschaltung von Reaktoren in Revision nicht. Siehe unterer Teil des Berichts: „Im Alltag Strom sparen“
    … zum Artikel vom 4. Mai '12 (Link zu nzz.ch, der Neuen Zürcher Zeitung; Titel und Texte: NZZ)
  4. Teure Gasimporte statt einheimischer Kernenergie – Gasimporte kippen Handelsbilanz: „Die Stromversorgung Japans steht auf des Messers Schneide: Seit dem Unfall in Fukushima-Daiichi sind nach und nach fast alle Kernkraftwerke abgeschaltet worden. Ob und wann sie wieder in Betrieb gehen, ist ungewiss. Gleichzeitig haben die fossil befeuerten Kraftwerke ihre Leistungsgrenze erreicht und dem Land droht die Abwanderung der Industrie.“ … zum Artikel beim Nuklearforum Schweiz
    (Titel & Text: Nuklearrforum Schweiz, 21. Feb. 2012
  5. Energiewende auf Japanisch – Das dreifache Desaster – Erdbeben, Tsunami und Kernkraftunfälle – zwingt das Land zum Umdenken in seiner Energiepolitik „Seit dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima mangelt es in Japan an Energie. Zunächst einmal helfen Sparmassnahmen und Gasimporte aus. Derweil wird die Energiestrategie überarbeitet.“ … zum Artikel (Link zu nzz.ch, der Neuen Zürcher Zeitung; Titel und Texte: NZZ)

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