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Veröffentlicht: 18. März 2011

Wie stark ist Japan von der Kernenergie abhängig?

Von Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Antwort

Prof. Dr. Manfred PoppSolange der dramatische Kampf um die Vermeidung eines großen Reaktorunfalls in Fukushima andauert und wir nicht wissen, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist, kann man über die Zukunft der Kernenergie in Japan nichts sagen. In diesem Artikel soll die Ausgangslage vor Eintritt der Tsunami-Katastrophe geschildert werden, um das Verständnis für die Lage in Japan zu erleichtern.

Japan verfügt als einziges der großen Industrieländer über keine heimischen Energierohstoffe. Da die Kernkraft vor allem von Technologie abhängt und das Uran keinen bedeutenden Kostenfaktor darstellt, wird sie auch in Japan als heimische Energiequelle betrachtet. Gerade nach den traumatischen Erfahrungen der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki will Japan die Kernspaltung in den Dienst der friedlichen Entwicklung stellen. Auch durch die Ablösung der fast ein halbes Jahrhundert währenden Herrschaft der LDP durch eine neue Regierung im Jahr 2009 änderte sich die Kernenergiepolitik nicht.

Als Ende der achtziger Jahre in den USA und in vielen Ländern Europas der Ausbau der Kernenergie zum Stillstand kam, verlangsamte er sich auch in Japan, wurde aber dennoch fortgesetzt. Auch wenn sich in Japan keine starke Anti-Atom-Bewegung entwickelte, so hatte die Kernenergie doch mit wachsenden Akzeptanzproblemen zu kämpfen. So erwies es sich als immer schwieriger, für neue Standorte für Kernkraftwerke den in Japan erforderlichen Konsens zu finden. Das führte zu dem starken Ausbau der bestehenden Standorte, wofür Fukushima mit insgesamt 10 Reaktoren ein Beispiel ist.

Anfang 2011 waren 54 Kernkraftwerke in Betrieb und zwei im Bau. Seit der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe sind alle 14 Anlagen im Nordosten außer Betrieb, davon waren allerdings während des Erdbebens bereits vier zu Wartungszwecken abgeschaltet. Japan hat darüber hinaus ein nukleares Entsorgungszentrum verwirklicht, wie es in Deutschland ursprünglich für Gorleben vorgesehen war. Nur für ein Endlager für die hochradioaktiven Abfälle dauert die Suche aber noch an.

Mit der Sorge um die Erwärmung des Weltklimas kam in Japan ein weiteres Argument für den Ausbau der Kernenergie hinzu. Das wichtigste Instrument zur Reduzierung der Emissionen des Klimagases CO2 ist aus japanischer Sicht die Kernenergie. Erst in den letzten Jahren wurde im Norden des Landes mit dem Bau von Windenergieanlagen begonnen. Fotovoltaik-Anlagen sieht man in Japan praktisch nirgends.

Um 2010 leisteten die japanischen Kernkraftwerke ganz ähnlich wie in Deutschland einen Anteil von 26 % zur Stromversorgung. Ähnliche Beiträge kommen aus Steinkohle- und Erdgasimporten. Noch immer gibt es einen Beitrag von 13 % aus Erdölimporten. Das Schlusslicht bilden mit 9 % die Erneuerbaren Energien. Nach den Planungen der Regierung sollte bis 2030 der Anteil der Kernenergie auf 50 % und der Erneuerbaren Energien auf 20 % gesteigert werden, um insgesamt bereits 2030 das Ziel einer zu 70 % CO2-freien Stromerzeugung zu erreichen.

Das Erdbebenrisiko war den Verantwortlichen in Japan natürlich in vollem Umfang bewusst; die Erdbebenvorsorge kann sich in Japan auch auf umfassende Erfahrungen stützen. Wie es scheint, war die Vorsorge ausreichend, obwohl das Erdbeben mit einer Stärke von 9 alle Annahmen übertroffen hat. Nach den bisher zugänglichen Informationen waren bis zum Eintreffen des Tsunami alle Anlagen noch in einem sicheren Zustand.

Wie immer es in Fukushima weitergeht, Japan ist mit seinen dicht besiedelten Städten und seiner modernen Industrie besonders stark auf eine gesicherte Stromversorgung angewiesen. Ein rascher Ausstieg aus der Kernenergie wird deshalb nicht möglich sein. Und über die langfristigen Konsequenzen kann niemand nachdenken, solange so große Sorgen über den Ausgang der Katastrophe bestehen.

Weitere Informationen und auch Bilder finden Sie der Langfassung (pdf, rd. 650 kB) entnehmen.

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, rd. 650 kB). Dieser Text wurde am 18. März 2011 veröffentlicht.

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