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Klimagefahren –
Wie viel kann uns die Kernenergie helfen ?

Von Eike Roth
(
Eike.Roth@energie-fakten.de, Lebenslauf)

KurzfassungRoth

Auch wenn der Mensch als Klimaverursacher noch nicht zweifelsfrei fest steht, besteht doch ein weitgehender Konsens dahingehend, dass wir dringend vorbeugende Maßnahmen ergreifen müssen (siehe hierzu meinen Beitrag „Klimaänderungen – ist der Mensch Schuld daran ?“). Kernenergie wird vielfach als hierfür geeignet angesehen: Sie kann wirtschaftlich und im großen Maßstab eingesetzt werden. Zugleich schont sie die Rohstoffreserven und verringert die Importabhängigkeit im Energiebereich. Andere halten die Kernenergie aus den verschiedensten Gründen für ungeeignet. Was davon stimmt, soll in diesem Beitrag untersucht werden.

Unbestritten ist, dass Kernkraftwerke (KKW) im Betrieb kein CO2 (und auch keine anderen Treibhausgase) frei setzen. Beim Bau der KKW, bei der Urangewinnung und bei dessen Anreicherung (der Anteil des spaltbaren Isotops U235 muss für die Nutzung in einem gängigen Kernreaktor von natürlicherweise 0,7 auf etwa 2 bis 5 % angereichert werden) gibt es aber sehr wohl CO2-Freisetzungen. Heben die den Vorteil der Kernenergie wieder auf ? Haben wir überhaupt genug Uran für einen größeren Beitrag der Kernenergie und können wir uns einen solchen überhaupt wirtschaftlich leisten ? Außerdem, wie steht es mit der Sicherheit von KKW, und treiben wir mit der Kernenergie zum Klimaschutz nicht nur „den Teufel mit dem Belzebuben“ aus, indem wir die ungelöste Entsorgung des CO2 durch die ungelöste Entsorgung der radioaktiven Abfälle ersetzen?

Das Besondere an der Kernenergie ist ihre große Energiedichte. Bei der Spaltung von 1 kg Uran wird etwa so viel Energie frei, wie bei der Verbrennung von 1 Million kg Kohle. Ein KKW benötigt daher nur sehr wenig Kernbrennstoff (eigentlich eine falsche Bezeichnung, denn in einem KKW bzw. dessen Reaktor brennt nichts). Natürlich braucht man zur Gewinnung des Urans und zu seiner Anreicherung etc. Energie und dieser Energieverbrauch ist im Allgemeinen mit CO2-Freisetzungen verbunden. Aber infolge des geringen Brennstoffbedarfes von KKW bleibt der große Vorteil der CO2-freien Stromerzeugung in den KKW weitgehend erhalten, und auch der Energieverbrauch bei Bau und Abriss der KKW fällt, gemessen an den großen Strommengen, die in ihnen erzeugt werden können, nicht ins Gewicht. KKW schonen ganz eindeutig und sehr effektiv das Klima.

Nach Uran haben wir auf der Erde noch relativ wenig gesucht. Die zur Zeit bekannten Vorräte decken den Bedarf auf Basis der heute üblichen KKW-Typen (mit Leichtwasserreaktoren) 65 Jahre lang. Zusätzliche Uranlagerstätten gibt es mit Sicherheit, doch besteht angesichts der großen bekannten Vorräte kein Anreiz, jetzt viel Geld in deren Suche zu investieren. Da außerdem bei einem Übergang auf fortschrittlichere Reaktortypen (Schnelle Brüter) aus der gleichen Uranmenge etwa 60 Mal so viel Energie gewonnen werden kann und schließlich auch Thorium ein geeigneter Kernbrennstoff ist, reichen die Kernenergievorräte sicher für Jahrtausende (siehe im Übrigen den Beitrag von Grawe Wie lange reichen die Uranvorräte ?).

Auch die Sicherheit spricht eindeutig für die KKW. Mit keiner anderen Technik sind bisher so viele kWh Strom mit so wenig negativen Gesundheitsauswirkungen erzeugt worden wie mit Kernkraftwerken. Das gilt selbst einschließlich des Unfalls in Tschernobyl, obwohl der infolge der Besonderheiten dieses Kraftwerkes atypisch ist und nicht auf die ganz anders konstruierten KKW mit westlichen Standards übertragen werden kann. (siehe auch Bereich „Kernenergie – Sicherheit“)

Bei der Entsorgung schließlich kommt der Kernenergie wieder ihre hohe Energiedichte zugute. Die anfallenden Mengen radioaktiver Abfälle sind vergleichsweise sehr klein. Sie lassen sich daher zuverlässig einschließen und von der Biosphäre fern halten. Wenn die Politik ihre Widerstände aufgibt, wird die Entsorgungslücke relativ rasch geschlossen werden können. Auch hier gilt, dass der Beweis des Könnens im Tun liegt. Wer das Tun nicht zulässt, fürchtet den Beweis. (Link zu Bereich „Kernenergie – Entsorgung“)

Kernenergie ist daher sehr wohl ein geeignetes Mittel im Kampf gegen drohende Klimaänderungen. Für detailliertere Ausführungen siehe die Langfassung (PDF, 50 kB).

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, 52 kB). Dieser Beitrag wurde am 22. März 2007 veröffentlicht.

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Siehe auch:

Literatur:

  • "Globale Umweltprobleme - Ursachen und Lösungsansätze" von Eike Roth
    Friedmann Verlag München 2004, ISBN -933431-31-X,
    (erhältlich z.B. bei Amazon.de und bol.de)

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