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Veröffentlicht: Oktober 2001

Kann man das Klimaproblem auch durch Filtern und Speichern von Kohlendioxid lösen?

Von Eike Roth
(
Eike.Roth@energie-fakten.de, Lebenslauf)

KurzfassungEike Roth

Die Freisetzung von Kohlendioxid (CO2) durch den Menschen steht im Verdacht, über den „Treibhauseffekt“ das globale Klima zu verändern. Das „Prinzip Verantwortung“ fordert von uns vorsorgliche Gegenmaßnahmen, auch wenn noch nicht alle Fragen wissenschaftlich geklärt sind. Energiesparen und die Verwendung CO2-freier Energieformen sind die naheliegenden möglichen Gegenmaßnahmen.

Vom Prinzip her kann man aber die durch den Menschen verursachten (anthropogenen) CO2-Freisetzungen auch dadurch reduzieren, dass man (bei fortgesetzter umfangreicher Nutzung CO2-freisetzender Energieformen wie Kohle, Öl und Erdgas) das bei der Verbrennung entstehende CO2 auffängt und in geeignete Langzeitlager einbringt. In einigen Ländern wird an dieser Methode auch gearbeitet, die Arbeiten laufen unter dem Namen „Sequestrierung“ oder einfach „Abtrennung und Lagerung“. Sowohl für die Abtrennung als auch für die Lagerung (und auch für die dazwischenliegenden Transporte) werden verschiedene Verfahren auf ihre Eignung hin untersucht, zur Zeit gibt es aber noch keines, das schon großtechnisch anwendbar wäre. Alle Verfahren werden aber nicht nur teuer sein, sondern vor allem auch mit einem erheblichen Mehrverbrauch an Energie verbunden sein (die geschätzten Werte liegen zwischen etwa 20 und 50 % der bei der Verbrennung freiwerdenden Energie, 50 % hieße eine Verschlechterung des Gesamtwirkungsgrades um den Faktor 2 und damit eine doppelt so schnelle Erschöpfung der Vorräte), und die Lagerverfahren sind prinzipiell auch risikobehaftet (möglicher Austritt in die Atmosphäre mit Treibhauswirkung, mögliche plötzliche Freisetzung größerer Mengen mit Erstickungsgefahr in der betroffenen Region, mögliche Einflüsse auf die Biosphäre durch große Mengen hochkonzentrierten CO2).

Und dann ist da noch das Mengenproblem: Weltweit setzen wir Menschen jährlich über 25 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre frei. Unter Normaldruck hat das ein Volumen von ca. 15 000 Milliarden Kubikmeter. Zum Vergleich: Der Bodensee hat ein Volumen von lediglich etwa 50 Milliarden Kubikmeter. Die CO2-Menge ist also 300 mal größer, oder: Jeden Tag fällt so viel CO2 an, dass man damit fast einen ganzen Bodensee füllen kann! Natürlich kann man CO2 unter Druck einlagern, aber ausreichend große Lagermöglichkeiten zu finden, dürfte ein großes, womöglich unlösbares Problem sein.

Der hohe finanzielle und energetische Aufwand für die Verfahren, die ungelösten Sicherheitsfragen und die riesigen Volumina lassen viele Experten an der ausreichend großmaßstäblichen Realisierbarkeit dieses Weges zweifeln. Besonders ins Gewicht fallen in meinen Augen auch die Auswirkungen auf andere Probleme: Das hier ausgegebene Geld würde uns beim notwendigen Abbau der friedensgefährdenden Wohlstandsunterschiede auf der Erde und bei der Lösung aller anderen Umweltprobleme fehlen, und die wesentlich raschere Erschöpfung der Vorräte an Kohle, Öl und Gas würden uns unsere Kinder möglicherweise übel nehmen. Selbst wenn sich die Sicherheitsfragen befriedigend lösen lassen, habe ich erhebliche Zweifel, ob dieser Weg der richtige wäre. Untersuchen soll man ihn, vielleicht findet man ja noch überraschende Lösungen, aber aus heutiger Sicht sollte man meines Erachtens sich lieber nicht auf ihn abstützen.

Ich möchte die Antwort gerne so zusammenfassen: Das Abtrennen und Speichern des Kohlendioxids ist bis auf weiteres eine (großtechnisch) eher fiktive Möglichkeit.

Siehe auch

Literatur

  • „Globale Umweltprobleme - Ursachen und Lösungsansätze“ von Eike Roth
    Friedmann Verlag München 2004, ISBN -933431-31-X
  • Eine umfangreiche Materialiensammlung und Hinweise auf weiterführende Materialien finden Sie im Bericht über den Themenabend Realität oder Utopie- ist CCS der Klimaretter? unseres Medienkooperationspartners, der Stiftung & Klimaschutz Baden-Württemberg.

 

Diese Antwort entstand auf eine Frage eines Lesers im Januar 2004 und wurde am 26. Januar 2004 veröffentlicht.

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