Energie-Fakten -> Archiv ->Allgemein interessierende Antworten auf Fragen von Lesern -> Sind Sonne und Wind kostenlose Energie-Lieferanten?

Sind Sonne und Wind kostenlose Energie-Lieferanten?

Von Joachim Grawe
(
Joachim.Grawe@energie-fakten.de)Grawe

Leser-Anfrage

Ein Bekannter und ich haben gestritten, ob Sonne und Wind kostenlose Energie-Lieferanten oder womöglich sogar teurer sind als herkömmliche Energiearten.
Wer hat recht?

Antwort

„Kostenlos“ ist fast nichts auf der Welt. Ein englisches Sprichwort sagt zutreffend: „There is no free lunch.“

Die Sonne scheint zwar, ohne „eine Rechnung zu schicken“. Und der Wind lässt sich das Wehen auch nicht bezahlen. Doch auch Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran kosten nichts, solange sie ungenutzt in der Erde liegen.

Kosten entstehen immer erst dann, wenn eine Energieart genutzt, also in Strom, Fernwärme, Heizenergie oder Treibstoff umgewandelt werden soll. Dies gilt für die fossilen (Kohle, Öl, Gas) wie für die nuklearen (Uran, Thorium, Plutonium) als auch für die regenerativen (Solarstrahlung, Windkraft, Erdwärme, Biomasse, Wasserkraft) Energien gleichermaßen.

Entscheidend für einen Vergleich ist stets nur der Gesamtaufwand, d. h.: wieviel die bedarfsgerecht bereitgestellte Kilowattstunde (kWh) am Ende kostet. Das hängt ab einerseits von

  1. den Kosten für die Errichtung und den Abriss der Anlage zur Energiegewinnung
  2. den Kosten für Betrieb und Unterhaltung der Anlage, bes. auch den Personalkosten
  3. den Kosten für den Brennstoff und die Entsorgung der Abfälle, und andererseits
  4. der Anzahl der kWh, die während der Lebensdauer der Anlage erzeugt bzw. bedarfsgerecht bereitgestellt werden. 

Die Nutzung von Sonne und Wind

  • verursacht keine Kosten für den Brennstoff
  • verursacht nur geringe Kosten für Betrieb und Unterhaltung
  • verursacht sehr hohe Kosten für die Errichtung der Anlage (im Verhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeit/Kapazität), aber nur geringe Kosten für den Abriss der Anlage.

Die entsprechenden Anlagen erzeugen aber nur verhältnismäßig wenige kWh, und diese auch immer nur dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.

 

Kohlekraftwerke (als Beispiel für die fossilen Wärme-Kraftwerke) haben demgegenüber

  • hohe Kosten für den Brennstoff
  • ebenfalls hohe Kosten für Betrieb und Unterhaltung
  • mittlere Kosten für die Errichtung und den Abriss der Anlage (bezogen wiederum auf die Leistungsfähigkeit).

Mit ihnen kann jährlich eine große Anzahl von kWh erzeugt werden. Ihre Lebensdauer ist zudem länger als die von Solar- und Windanlagen.

 

Wieder etwas anders sieht es bei den Kernkraftwerken aus.

Sie haben

  • geringe Kosten für den Brennstoff
  • mittlere Kosten für Betrieb und Unterhaltung
  • hohe Kosten für die Errichtung und den Abriss der Anlage.

Wegen der niedrigen Brennstoffkosten sind Kernkraftwerke besonders für die sog. Grundlast der Stromversorgung, d. h. den Tag und Nacht das ganze Jahr über benötigten Strom, geeignet. Folglich steht den Kosten eine riesige Anzahl jährlich erzeugter kWh gegenüber (mehr als 10 Milliarden pro Jahr). Zudem haben die Kernkraftwerke ebenfalls eine deutlich längere Lebensdauer als Solar- und Windanlagen.

 

Aus all dem folgt:

Dass Sonne und Wind „kostenlos“ seien, behaupten nur wenig sachkundige Enthusiasten dieser Energiearten und Firmen, die an dem Verkauf und der Installation der entsprechenden Anlagen verdienen.

Solarstrom ist derzeit gut zwanzigmal so teuer und Windstrom ist derzeit – je nach Standort und Anlagengröße – zwei- bis viermal so teuer wie Strom aus Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken. Man darf sich dabei nicht täuschen lassen von dem Strompreis für Haushaltskunden, der bei etwa 18 Cents liegt. Denn dieser enthält neben den Kosten der Stromerzeugung insbesondere auch die Netzkosten (etwa 7 Cents je kWh) und die öffentlichen Abgaben und Quersubventionen für regenerative Energien (ebenfalls etwa 7 Cents je kWh). Der Einsatz von Solar- und Windanlagen erspart klimaschädlichen Brennstoff (Kohle, Öl), aber kaum konventionelle Kraftwerks-Kapazität. Solarstrom aus Fotovoltaik-Anlagen ist überdies die bei weitem teuerste Möglichkeit, den Ausstoß von Kohlendioxid zu vermeiden.

Die Erzeugung von Solar- und Windstrom wird deshalb auch seit vielen Jahren massiv – mit mehreren Milliarden Euro jährlich – subventioniert, und zwar mit steigender Tendenz. Wären Solar- und Windenergie kostenlos, wären diese Subventionen nicht notwendig.

Siehe auch:

Diese Antwort entstand auf eine Frage eines Lesers im Juli 2007 und wurde am 6. September 2007 veröffentlicht. Eine Langfassung ist nicht geplant.

Jemandem diese Seite per Email empfehlen.
Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.