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Wie hoch sind die Kosten des Ökostroms, über die man immer wieder liest, wirklich ?

Von Joachim Grawe
(
Joachim.Grawe@energie-fakten.de)Grawe

Es ist in der Tat schwierig, sich bei den unterschiedlichen Zahlen, die dazu veröffentlicht werden, ein klares Bild zu machen.

Vorweg: Die Bezeichnung „Ökostrom“ ist nicht ganz korrekt und darum unglücklich. Zwar weist der Strom aus den regenerativen Energien Wasserkraft, Biomasse, Windenergie, Solarstrahlung und Erdwärme (Geothermie) Umweltvorteile gegenüber Kohle- und Ölstrom auf. Umweltneutral ist er allerdings nicht. Bei näherer Betrachtung zeigt sich sogar, dass für die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom mehr nicht-energetische Rohstoffe wie z. B. Metalle verbraucht und mehr Schadstoffe ausgestoßen werden als etwa bei der Kernenergie. Nicht zuletzt ist der Atomstrom auch klimafreundlicher als der mittels Photovoltaik aus Solarstrahlung erzeugte Strom. Strom aus Erdgas kommt dem Solarstrom insoweit etwa gleich. Dieses vielleicht überraschende Ergebnis kommt dadurch zustande, dass einerseits für Photovoltaik-Anlagen (Solarzellen) erhebliche Mengen an Rohstoffen verbraucht werden und sowohl bei deren Gewinnung, Verarbeitung und Transport wie bei der Herstellung der Anlagen beachtliche Emissionen entstehen und dass andererseits diese Anlagen unter den deutschen Klimaverhältnissen jährlich nur zwischen 500 und 900 Kilowattstunden Strom je installiertem Kilowatt Leistung erzeugen (sog. Peak-Leistung, d. h. Leistung bei optimalen Einstrahlungsverhältnissen an wolkenfreien Sommertagen zur Mittagszeit). (Siehe auch: Wie groß sind die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der unterschiedlichen Stromerzeugungsarten im Vergleich ? PDF, 255 kB)

Hinsichtlich der in den Medien genannten Zahlen muss man unterscheiden zwischen:

  1. den Kosten der Stromerzeugung
  2. den Einspeisevergütungen
  3. dem (wirtschaftlichen) Wert des eingespeisten Stroms.

Zu a): Die Kosten sind für die einzelnen regenerativen Energien unterschiedlich. Das hängt nicht zuletzt ab von den natürlichen, z. B. den meteorologischen, Gegebenheiten in Deutschland. Wirtschaftlich ist der Regenerativ-Strom derzeit erst in wenigen Fällen, etwa bei den meisten Müllheizkraftwerken, Deponiegasanlagen und Klärgasanlagen. Extrem hoch sind andererseits die Kosten der Stromerzeugung aus Solarenergie.

Zu b): Die Versorgungsunternehmen sind verpflichtet, den Strom aus regenerativen Energien in ihr Netz aufzunehmen, gleichgültig ob sie ihn gerade gebrauchen können (z. B. nachts) oder nicht und wieviel Reserve-Kraftwerke sie zum Ausgleich der ständigen Schwankungen bereit halten  müssen. Die Vergütungen für diese Strom-Einspeisungen sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Sie sollen grundsätzlich die Kosten der Erzeuger decken. Die Differenz zum Marktwert (siehe c) stellt eine volkswirtschaftliche Subvention dar. Sie muss nach dem EEG von den Stromverbrauchern über den Strompreis getragen werden.

Zu c): Der wirtschaftliche Wert des Regenerativ-Stroms bemisst sich an dem Preis des Stroms aus anderen Quellen, der zur gleichen Zeit an der Strombörse hätte gekauft werden können. Abgezogen werden muss zusätzlich z. B. bei dem unstet anfallenden Windstrom, der von dessen Einspeisung verursachte Mehraufwand für Reserveleistungen und sog. Regelenergie zur Stabilisierung des Netzes. Dabei spielt es eine Rolle, wie zuverlässig die verschiedenen Anlagen Strom liefern, wenn er gebraucht wird. Bei kontinuierlicher Lieferung ohne häufige Schwankungen ist der Wert höher (sog. gesicherte Leistung).

Prof. U. Wagner, TU München, hat kürzlich die Erzeugungskosten, die Vergütungen nach dem EEG und den Marktwert des "Ökostroms" untersucht und die Zahlen gegenüber gestellt.

Dabei hat sich folgendes Bild ergeben (Angaben in Euro-Cents, z. T. von mir gerundet):

Energieart Kosten Einspeisevergütungen Marktwert
Windenergie 8-9 8-9 2,0
Photovoltaik 50-70 45-58 2,6
Geothermie 5-22 7-15 2,8
Biomasse 7-18 8-18 2,8 - 3,4

Auch wenn man den Marktwert im Hinblick auf die jüngsten Preisanstiegs-Tendenzen an den Strombörsen um durchschnittlich einen halben Euro-Cent höher ansetzt, bleibt der Unterschied zu den Kosten und den – in etwa gleich hohen – Einspeisevergütungen eklatant.

Interessant sind in diesem Zusammenhang noch folgende Zahlen:
Die gesamten Einspeisevergütungen betrugen

1991 70 Millionen Euro
(von DM umgerechnet)
1995 230 Millionen Euro
(von DM umgerechnet)
2000 1.130 Millionen Euro
(von DM umgerechnet)
2002 2.200 Millionen Euro
2003 2.620 Millionen Euro
2004 3.300 Millionen Euro.

Das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln erwartet für 2015 bei Fortsetzung der derzeit massiven Subventionierung des Regenerativ-Stroms Einspeisevergütungen in Gesamthöhe von mehr als 8 Milliarden Euro in Preisen von heute, das heisst: ohne Einrechnung der Preissteigerungen.

Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlt derzeit monatlich 32,90 Euro netto für Strom zuzüglich 21, 53 Euro an Steuern und Abgaben auf den Nettopreis. Bei den Steuern sind die Mehrwertsteuer und die sog. Ökosteuer die „größten Brocken“. Auf die Subventionierung regenerativer Energien entfallen 1,90 Euro. Bezogen auf den oben genannten Nettopreis sind das zwar erst knapp 6 %. Aber die Tendenz ist stark steigend. (Siehe hierzu auch: Was kostet die Stromkunden die Förderung von regenerativen Energien und von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen ?).

Schließlich sei erwähnt, dass zu den betriebswirtschaftlichen Kosten noch die sog. externen Kosten der verschiedenen Energien addiert werden müssen. Hierzu finden Sie Näheres in dem Beitrag von Friedrich unter der Rubrik „Beiträge eigener Autoren“ der „Energie-Fakten.de“. (Wie hoch sind die "externen Kosten" der verschiedenen Energie-Techniken bei der Stromerzeugung ?).

Dieser Beitrag wurde am 6. Dezember 2005 veröffentlicht.

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