Energie-Fakten -> Archiv ->Allgemein interessierenden Antworten auf Fragen von Lesern -> Wo und wie können wir am meisten Öl sparen ?

Wo und wie können wir am meisten Öl sparen ?

Von Eberhard Wagner
(
Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, )Wagner

Wir können dort am ehesten Öl sparen, wo am meisten verbraucht wird. Das Sparen kann auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlicher Wirkung geschehen. In Deutschland werden Mineralölprodukte vor allem in drei Bereichen eingesetzt:

  • Verkehr (als Benzin und Diesel-Kraftstoff),
  • Heizung, Warmwasserbereitung  sowie industrielle und gewerbliche Prozesswärme
  • Chemie-Industrie (als Rohstoffe für die Herstellung insbesondere von Kunststoffen).

„Energieeinsparung“ umfasst

  • den „Konsumverzicht“, d. h. den Verzicht auf eine mit Hilfe von Energie erbrachte Dienstleistung (Beispiel: Man geht zu Fuß zur Post, anstatt mit dem Auto zu fahren),
  • die bessere Ausnutzung der eingesetzten Energie; der  angestrebte Zweck wird dabei mit geringerem Energieaufwand erreicht durch:
    • entweder vernünftigeres Verhalten der Verbraucher, z. B. Fahrverhalten im Straßenverkehr
    • oder technische Verbesserungen bei den Maschinen und Geräten zur Energieumwandlung und zum Energieeinsatz, z. B. Kraftwerke mit besserem Wirkungsgrad oder Waschmaschinen mit niedrigerem Verbrauch oder
    • bessere Organisation Energie verbrauchender Prozesse, vorrangig in der Industrie.

Zur Erzielung nennenswerter Ergebnisse beim Ölsparen sind viele Einzelmaßnahmen notwendig. Jedoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass die mengenmäßig größten Verminderungspotenziale schnell umgesetzt werden.

Nur die Gesamtheit solcher Aktivitäten können langfristig eine merkliche Verminderung des Ölverbrauches bewirken, es sei denn, man entschließt sich staatlicherseits zu drastischen Maßnahmen wie etwa einem Verbot bestimmter Anwendungen (Einbau neuer Ölheizungen). Ein „Patent-Rezept“ gibt es hier ebenso wenig wie sonst im Energiesektor.

Verkehr

Einsparungen in diesem Bereich können durch eine Vielzahl von Maßnahmen erzielt  werden. Dazu zählen insbesondere

  • verbrauchsärmere Motoren
  • kleinere PKW
  • verminderte Fahrgeschwindigkeiten
  • Nutzung  von GPS-Systemen zur Vermeidung von Suchfahrten
  • Stauwarn- und Parkleit-Systeme
  • Ersetzen von Verkehrsampeln durch Kreisverkehre, wo das möglich ist
  • „Umsteigen“ auf öffentliche Verkehrsmittel (Bahnen und Busse).

Außerdem könnte man die Kraftstoffe auf Mineralöl-Basis oder auch die Otto- und Diesel-Motoren als solche zumindest teilweise und längerfristig ersetzen durch andere Antriebsarten für PKW, LKW  und Busse. Im Einzelnen können das sein:

  • Bio-Brennstoffe wie z. B. Rapsöl als Diesel-Ersatz
  • Erdgas (wobei zu beachten ist, dass Erdgas ebenfalls eine begrenzte Ressource und im Preis vom Öl abhängig ist)
  • Elektrische Energie, sofern der Strom nicht aus Öl (oder Erdgas) erzeugt wird
  • Wasserstoff (der in der Natur aber in reiner Form nicht vorkommt und deshalb erst erzeugt werden muss; dabei scheidet die Wasserstoff-Erzeugung aus Öl oder Erdgas aus, sodass nur die Elektrolyse (Spaltung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff durch Strom) in Betracht kommt)
  • Hybridantriebe, d. h. eine Kombination aus Otto- oder Dieselmotor mit einem Elektromotor und Batterie, der Verbrennungsmotor läd (günstig) die Batterie, der Elektroantrieb wird im Stadtverkehr und für Kurzstrecken genutzt, die „Bremsenergie“ kann zur Aufladung der Batterie genutzt werden.

Alle diese „Alternativen“  werden in den nächsten Jahrzehnten die Kraftstoffe auf Mineralöl-Basis nicht auf breiter Front ersetzen, sondern nur allmählich ergänzen können.

Heizung

Der Einsatz von Heizöl zur Gebäudeheizung (einschließlich Warmwasserbereitung im Haushalt) kann u. a. verringert werden durch:

  • eine bessere Isolierung der Gebäude
  • eine (bereits geringe) Verminderung der Raumtemperaturen
  • eine von vorn herein geeignetere Ausrichtung und Gestaltung der Häuser zur Ausnutzung der Solarstrahlung
  • den Bau von sog. Niedrig- oder sogar „Nullenergie“-Häusern mit gesteuerter Belüftung (Klimaanlagen)
  • den Einsatz anderer Brennstoffe, insbesondere Biomassen (Holz, etwa in Form von Pellets)
  • den Anschluss an Fern- bzw. Nahwärme-Versorgungssysteme mit Wärmeauskopplung aus sog. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen; dabei dürften diese Anlagen nicht, wie derzeit noch meist bei der Nahwärme, mit Heizöl (oder  Erdgas) betrieben werden
  • die Nutzung der Solarstrahlung durch Warmwasser-Kollektoren,
  • den Einsatz von elektrisch angetriebenen Wärmepumpen, zur  Nutzung von Umgebungswärme aus oberflächennaher Erdwärme (Bohrungen bis etwa  100 m Tiefe) oder warmem  Wasser aus Oberflächengewässern, Grundwasser oder industrieller Abwärme
  • Nutzung der Geothermie (Erdwärme aus größerer Tiefe).
  • den Einsatz von Strom (der nicht aus ölgefeuerten Kraftwerken kommt), insbesondere zur dezentralen Heizung in gut isolierten Häusern (auch Entfall eines Verteilungssystems für zentral erzeugte Wärme).

Ein großes Spar-Potential ergäbe sich, wenn Öl langfristig ganz aus dem Heizungsmarkt genommen werden würde. Das hieße allerdings, Ölheizungen in Zukunft nicht mehr zuzulassen und die vorhandenen innerhalb einer angemessenen Übergangsfrist umzurüsten (Alternativen sind in Gestalt von Erdgas, Nahwärme auf Geothermie-Basis und elektrischen Wärmepumpen grundsätzlich verfügbar). Wie der Chemiker Dimitri Mendeleew, von dem das Periodische System der Elemente stammt, schon vor 120 Jahren festgestellt hat, ist Erdöl viel zu kostbar zum Verbrennen. Das gilt auch und erst recht für Kraftwerkskessel in der Elektrizitätswirtschaft und in der Industrie.

Für die Deckung des Warmwasserbedarfs kommen zusätzlich dezentrale elektrische Systeme in den einzelnen Räumen - unter der Voraussetzung des Nichteinsatzes von Öl und Erdgas bei der Stromerzeugung - in Betracht, bes. auch in Kombination mit Solar-Kollektoren.

Für den sog. Prozesswärmebedarf in Industrie und Gewerbe (Wärme mit hoher Temperatur: 60 °C und höher) kann Heizöl besonders durch ausgekoppelte Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen ersetzt werden.

Chemie-Rohstoff

In der Chemie-Industrie wird Öl (und Erdgas) als Rohstoff zur Herstellung vor allem von  Kunststoffen verwandt. Das geschieht aus Kostengründen heute schon mit hoher Effizienz (Energie-Produktivität). Kunststoffe könnten in begrenztem Umfang durch Produkte aus Metallen oder Holz ersetzt werden. Kunststoffe haben durch ihre universelle und zielgenaue Zweckanpassungsfähigkeit  allerdings in den letzten Jahrzehnten einen sehr großen Anwendungsbereich gefunden. Eine bedeutsame Ölsubstituierung ist deshalb in absehbarer Zeit  nicht zu erwarten.

Internationale Aspekte

Die  Globalisierung der Wirtschaftsaktivitäten führt zu einem erheblichen Zuwachs der Transportströme und steht insoweit dem Öl-Einsparungsziel entgegen. Andererseits bewirkt die weltweite Arbeitsteilung längerfristig auch einen effizienteren Energieeinsatz.

Es kann nicht erwartet werden, dass aufstrebende Volkswirtschaften von sich aus Einsparungsmaßnahmen treffen werden, wenn diese das von ihnen zur Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Bevölkerung angestrebte Wachstum hemmen.

Im Wesentlichen wird nur die Preisentwicklung für Öl (und Erdgas) auf den Weltmärkten Substitutionszwänge auslösen können. Immerhin könnten Kohle und Kernenergie, vorübergehend auch Erdgas, den derzeit hohen Anteil des Heizöls in der Stromerzeugung dieser Länder verringern. Zu bedenken ist dabei, dass gerade Länder mit gering entwickelter Infrastruktur in besonderer Weise auf Öl angewiesen sind. Die Entlastung der Weltölmärkte wird deshalb von den Industrienationen durch bessere Energieausnutzung und Ölsubstitution ausgehen müssen.

Inwieweit Klimaschutzziele dauerhaft weltweit Akzeptanz finden  und zu Öl-Einsparungen bzw. Substitutionsanstrengungen in größerem Ausmaß führen werden, erscheint derzeit unsicher.

Innovation und Marktwirtschaft

Insbesondere lässt sich Öl einsparen, wenn andere Energieformen zu günstigeren Preisen zur Verfügung stehen. Dann wird sich die Substitution von selbst ergeben. Hier sind Forschung und Entwicklung gefragt. Beschlüsse für ein entsprechendes breit angelegtes Entwicklungsprogramm sind z. B. auf dem G8-Gipfel in Gleneagles gefasst worden (Gleneagles Plan of Action. Climate Change, Clean Energy and Sustainable Development, London 8. 7. 2005) oder siehe U.S. Department of Energy Office of Nuclear Energy, Science and Technology (Hrsg.), The Generation IV International Forum – A Unique Collaboration oder INEEL Idaho National Engineering and Environmental Laboratory (Hrsg.), Generation IV Nuclear Energy Systems Initiative.

Dieser Beitrag wurde am 3. November 2005 veröffentlicht.

Siehe auch:

Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.