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Ist die Installation einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Ein- oder Zweifamilienhauses empfehlenswert?
Veröffentlicht: 5. Oktober 2010, aktualisiert: 11. Okt. 2010

Ist die Installation einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Ein- oder Zweifamilienhauses empfehlenswert?

Von Rolf Krieg
(
Rolf.Krieg@energie-fakten.de, Lebenslauf)

Krieg

Privatwirtschaftliche Überlegungen

Angenommen wird ein Haus bei dem eine für Solar-Panels nutzbare, geneigte, nach Süden ausgerichtete und durch Bäume oder andere Hindernisse nicht beschattete Dachhälfte mit einer Fläche von etwa 90 qm zur Verfügung steht. Die Installation handelsüblicher Solar-Panels auf dieser Dachhälfte einschließlich der nötigen Zusatzeinrichtungen für die Stromeinspeisung in das öffentliche Netz kostet nach einem aktuellen Angebot etwa 31.000 Euro. Selbstverständlich können andere Angebote – abhängig von Details der Installation und der Marktlage – nach unten oder oben abweichen. Außerdem ist die Mehrwertsteuer nicht berücksichtigt, denn sie wird auf Antrag vom Finanzamt zurückerstattet.

Der jährliche Stromertrag dieser Anlage liegt – abhängig vom Standort in Deutschland – zwischen 8.500 und 9.000 Kilowattstunden. Die Einspeisung dieses Stromes in das Netz führt bei der gegenwärtig gesetzlich garantierten Vergütung von etwa 33 Cent pro Kilowattstunde (Sept. 2010) zu jährlichen Einnahmen von etwa 2.900 Euro.

Die garantierte Vergütung gilt für 20 Jahre. Beträgt die Standzeit des Daches (Ziegeln, Dachstuhl, usw.) ebenfalls noch mindestens 20 Jahre, übernimmt ferner der Hersteller der Anlage eine ebenso lange Garantie (und ist er über diese Zeit voraussichtlich auch solvent) und werden schließlich mögliche Schäden aus Naturereignissen durch Versicherungen abgesichert, so kann man aus dieser Anlage bei mäßigen Betriebskosten (Versicherungsprämien, Unterhaltskosten etc) und nicht allzu großen Risiken eine Gesamteinnahme von etwa 58.000 Euro erwarten. Die Annahme einer längeren Betriebszeit ist wenig ratsam, da die nach 20 Jahren auf dem freien Markt erzielbare Vergütung schwer abschätzbar ist (zur Zeit liegt sie nur im Cent-Bereich) und die Anlage dann auch veraltet sein wird.

Aus diesen Daten ergibt sich eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals von 6,8 % vermindert durch Betriebskosten bei nicht allzu großen Risiken. Das Ganze ist somit kein außergewöhnlich lukratives Geschäft. Aber für etwas risikobereite Menschen ist das Ergebnis durchaus akzeptabel.

Ein wichtiger Sachverhalt sei aber noch erwähnt: Da sich die Verzinsung aus der Differenz zwischen den Einnahmen und den nicht so wesentlich geringeren Installationskosten ergibt, wird die Verzinsung schon durch kleine Veränderungen der Installationskosten deutlich beeinflusst. So können die oben erwähnten Details der Installation und der Marktlage die sich ergebende Verzinsung in einen uninteressanten oder nicht mehr akzeptablen Bereich absenken, oder in einen lukrativeren Bereich ansteigen lassen.

Volkswirtschaftliche Überlegungen

Der wesentliche Vorteil einer Fotovoltaik-Anlage ist, dass bei der Stromerzeugung kein Klima schädigendes Kohlendioxid freigesetzt wird. Die Frage ist aber, ob dieser Vorteil die hohe Einspeisevergütung von 33 Cent rechtfertigt, ja ob bei dieser Einspeisevergütung ein umfangreicher Einsatz dieser Technik überhaupt zu erwarten ist.

Nehmen wir mal an, dass in den nächsten Jahren etwa die Hälfte des elektrischen Stromes ohne Kohlendioxidfreisetzung erzeugt werden soll. Für Deutschland mit einer jährlichen Stromerzeugung von etwa 500 Terawattstunden – das sind 500 Milliarden Kilowattstunden – würde diese Hälfte bei einer Einspeisevergütung von 33 Cent pro Kilowattstunde jährliche Kosten von mehr als 80 Milliarde Euro verursachen. Berücksichtigt man, dass der Marktpreis dieses Stromes ohne aufwendige Maßnahmen zur Kohlendioxidminderung nur 2 bis 4  Cent pro Kilowattstunde beträgt, so würden sich jährliche Mehrkosten von etwa 75 Milliarden Euro ergeben. Diese Mehrkosten zur Halbierung der Kohlendioxidfreisetzung bei der Stromerzeugung – die Kohlendioxidfreisetzung in anderen Bereichen wie beispielsweise bei der Raumheizung wird dadurch nicht gemindert – müßten letztlich vom Bürger getragen werden. Sie würden den Lebensstandard spürbar beeinträchtigen. Es ist fraglich, ob eine Mehrheit der Bürger dazu bereit wäre. Auch ein inflationsbedingter Anstieg des Marktpreises für den Strom ändert daran wenig, denn ein solcher Anstieg wird ja auch die Fotovoltaik betreffen.

Wegen der Wetter und Tageszeit abhängigen Erzeugung des Solarstromes wären ferner erhebliche Einschränkungen in der Verfügbarkeit des Stromes zu erwarten. Manche und vor allem größere Verbraucher würden bestimmt versuchen in der Not wieder auf die bisherigen Stromquellen zurückzugreifen. Eine breite Diskussion dieser Sachverhalte wurde bisher wohl nicht ohne Grund unterlassen.

Man bedenke ferner, dass für eine ins Gewicht fallende weltweite Reduzierung der Kohlendioxidfreisetzung – und allein diese weltweite Reduzierung ist für unsere Klimaentwicklung von Bedeutung – auch viele andere Länder ähnliche Maßnahmen ergreifen müssten. Unter den in Rede stehenden Bedingungen ist dies aber kaum vorstellbar.

Der Einwand, dass der Mix mit dem Strom aus anderen Quellen die Probleme entschärfen und die Fotovoltaik aussichtsreicher machen würde, ist nur teilweise zutreffend. Wenn diese anderen Quellen weniger problematisch und billiger sind, kann man auf den forcierten Einsatz der Fotovoltaik ja gleich ganz verzichten.

Auch der zweite Einwand, dass die mit zunehmendem Ausbau der Fotovoltaik zu erwartende Kostendegression das Bild ändern werde, ist nicht überzeugend. Für einen nachhaltigen Erfolg müssten die Kosten schon um etwa den Faktor zehn zurückgehen. Dies ist – wenn überhaupt – nur mit ganz anderen technischen Konzepten denkbar, deren Entwicklung aber durch hohe Einspeisevergütungen kaum forciert wird. Dagegen wäre eine verstärkte Förderung der Forschung in dieser Richtung vielleicht nicht ganz so aussichtslos.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist deswegen unter den gegenwärtigen Bedingungen die Installation einer Fotovoltaik-Anlage nicht sinnvoll. Sie ist kein wirksames Mittel zur nachhaltigen Reduzierung der Kohlendioxidfreisetzung, kostet aber den Stromverbraucher viel Geld, was an anderer Stelle effektiver eingesetzt werden könnte.

Dieser Beitrag wurde am 5. Oktober 2010 veröffentlicht und am 11. Okt. 2010 aktualisiert.

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