Energie-Fakten -> Archiv ->Allgemein interessierenden Antworten auf Fragen von Lesern -> Wie viele Häuser kann eine große Windkraftanlage mit einem Megawatt Leistung versorgen?
zuletzt aktualisiert 2013; Erstellt: 2003
 

Wie viele Häuser kann eine große Windkraftanlage mit einem Megawatt Leistung versorgen?

Von Joachim Grawe
(
Joachim.Grawe@energie-fakten.de)Grawe

Antwort

Kein einziges Haus (ständig).

Das klingt vielleicht provokativ. Aber lassen Sie es mich erläutern:

Zunächst gibt es in der Fragestellung zwei „Unbekannte“. Einmal: Was ist ein „Haus“? Zum anderen: Wie gut sind die Windverhältnisse am Standort?

Nehmen wir an, es handelt sich um einen guten Windstandort, an dem die Anlage jährlich umgerechnet 2.000 Volllaststunden Strom erzeugt (umgerechnet deshalb, weil jede Windkraftanlage nur bei „genau richtigem“ Wind, nicht zu schwach und nicht zu stark, mit Volllast läuft, bei Flaute und Sturm still steht und meist nur in Teillast, d. h. einem Teil ihrer nominellen Kapazität, betrieben werden kann ). An solch einem gutem Standort beträgt die Jahresproduktion einer Anlage mit einem Megawatt = 1.000 Kilowatt Leistung demnach 1.000 x 2.000 = zwei Millionen Kilowattstunden (kWh).

Was auf der anderen Seite den Stromverbrauch betrifft, so kann man nicht auf Häuser abstellen, selbst wenn diese genau definiert werden als Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhaus. Denn Häuser haben ganz unterschiedliche Standards. Vor allem aber: Sechs Personen in einem Einfamilienhaus verbrauchen deutlich mehr als zwei Personen. Deshalb werden solche Aussagen üblicherweise auf Privat-Haushalte bezogen. Aber auch da beläuft sich der Stromverbrauch eines Sechs-Personen-Haushalts nicht etwa auf das Dreifache desjenigen eines Zwei-Personen-Haushalts, sondern weniger, weil in jedem Haushalt erst einmal ein „Grundverbrauch“ entsteht, z. B. für den Kühlschrank oder im Winter für die Umwälzpumpe der Zentralheizung. Man behilft sich mit einem „typischen Durchschnittshaushalt“, der aus 3 Personen besteht. Ein Durchschnittshaushalt in Deutschland, der nicht mit Strom heizt, bezieht jährlich rd. 3.500 kWh Strom.

Wenn also ein Durchschnittshaushalt jährlich 3.500 kWh verbraucht und die Windkraftanlage jährlich 2.000.000 kWh erzeugt, entspricht die Erzeugung rechnerisch (2.000.000 : 3.500) dem Verbrauch von 571 Haushalten.

Nur – und das ist das Entscheidende – : Die Windkraftanlage produziert nicht immer dann, wenn die Bürger Strom benötigen und entsprechend aus dem Versorgungsnetz ziehen. Windstrom ist abhängig von der Natur und darum unstetig. Wenn der (unberechenbare) Wind nicht bläst – beispielsweise an einem eiskalten, klaren Wintertag -, kann die Windkraftanlage keinen einzigen Haushalt mit Strom versorgen. Dann müssen andere Kraftwerke einspringen, Kraftwerke, die planbar eingesetzt werden können, wie Kern-, Kohle- und Gaskraftwerke. Deswegen ist die manchmal zu hörende oder zu lesende Behauptung falsch, die Windkraftanlage X oder der „Windpark“ Y würden so und so viele Haushalte (oder gar Häuser) versorgen. Sie tragen zeitweise (je nach Windangebot) zu ihrer Versorgung bei, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Aktuell

Windkraftanlagen werden heute mit 2 bis 5 Megawatt Leistung errichtet, eine erste Anlage mit 7,5 Megawatt wurde im Sept. '12 am Lausitzring (Brandenburg) in Betrieb genommen. In Ellern (Hundsrück) wurde ein Windpark mit 5 Anlagen à 7,5 MW errichtet. [2] In den letzen zehn Jahren stieg die Leistung der Anlagen mit der Baugröße an. [1]

Diese Antwort entstand auf die Frage eines Lesers im November 2003. Sie wurde 2013 aktualisiert.
Eine Langfassung ist nicht geplant.


Siehe auch

Quellen

  1. „Windblatt“, Magazin für Windenergie der Firma Enercon, Ausgabe 4/2012
  2. „Windblatt“, Magazin für Windenergie der Firma Enercon, Ausgabe 1/2013

Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.