Energie-Fakten -> Beiträge der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg -> Kernfusion und ITER
Veröffentlicht: 27. Mai 2010.

ITER – was ist das?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
 
Janeschitz
Dr. Günter Janeschitz
Video (1:43 Min)
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Kurzfassung

ITER ist ein internationales Großexperiment, dessen Bau in Cadarache in Frankreich einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Fusionsreaktor bedeutet. Dr. Günter Janeschitz, Senior Scientific Adviser for Technical Integration, ITER Organization, berichtete über den Stand des Projektes auf dem Debatten-Abend der Stiftung Energie und Klimaschutz Baden-Württemberg am 15. April 2010.

  • ITER soll die erste Fusionsanlage werden, in der sich der Fusionsprozess ohne Zusatzheizung über längere Zeit selbst erhalten kann.
  • Alle Länder der Erde, in denen in nennenswertem Umfang an der Fusion gearbeitet wird, – China, Europa, Indien, Japan, Korea, Russland und die USA – haben sich für dieses zentrale Experiment zusammengetan. Diese Zusammenarbeit ist aber nicht streng arbeitsteilig organisiert, da alle Beteiligten später auch allein zum Bau von Fusionsreaktoren in der Lage sein möchten.
  • Europa verdankt seine Führungsrolle der Weitsicht, die extrem langfristige Fusionsforschung schon seit 50 Jahren als gemeinsames Projekt von EURATOM durchzuführen.
  • ITER besteht aus einem schlauchförmigen Vakuum-Gefäß. Im Inneren befinden sich verschiedene Einbauten: Divertoren, die Verunreinigungen entfernen, Blankets zur Erprobung des Erbrütens von Tritium und Geräte zur Diagnostik, die bei der Stabilisierung des Plasmas helfen. Für den Austausch dieser Komponenten ist wegen der Strahlenbelastung ein Fernhantierungssystem erforderlich. Umschlossen wird das Vakuumgefäß von den drei Magnetsystemen und einem Korrektursystem, die das Plasma ringförmig zusammenhalten. Sehr großen Aufwand erfordern auch die Heizsysteme, die das Plasma auf seine Betriebstemperatur von 100 Million °C bringen: Beschleuniger, die neutrale Teilchen mit hoher Energie in das Plasma injizieren und eine Mikrowellenheizung.
  • Besondere Spitzenleistungen sind vor allem beim Magnetsystem zu erbringen, das nicht nur von gigantischen Dimensionen sondern auch von den besonderen Anforderungen der Supraleitungs-Technologie geprägt ist. Vier verschiedene Systeme von Magnetspulen erzeugen das Magnetfeld, das das Plasma zusammenhält. Die größten Magnete haben Durchmesser bis zu 35 Metern; sie sind also über Land nicht transportierbar und müssen in einer eigens errichteten Fabrik am Standort hergestellt werden.

Zur Zeit laufen Bauarbeiten am Standort, Vergabeverhandlungen für Komponenten und in einigen Fällen auch noch technische Entwicklungen. Mit dem Aufbau des Vakuumgefäßes soll Anfang 2015 begonnen werden, in den Jahren 2017 bis 2019 soll der eigentliche Tokamak zusammengebaut werden. Ende 2019 erwartet Dr. Janeschitz zum ersten Mal ein Plasma in ITER. Der volle Betrieb mit einer selbsterhaltenden Fusionsreaktion ist gegenwärtig für 2026 geplant.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung (pdf, 787 kB) entnehmen.

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, 787 kB). Dieser Text wurde am 27. Mai 2010 veröffentlicht.

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Siehe auch

  • Die Präsentation des Vortrags „ITER, der entscheidende Weg in Richtung Fusions-Energie“ von Dr. Günter Janeschitz können Sie als pdf im unteren Bereich der Übersichtsseite dieses Debatten-Abends der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg herunterladen. (Link zu energieundklimaschutzbw.de)
  • ITER Organization (Link zu www.iter.org)
  • Wann kommt die Kernfusion? Eine Veröffentlichung der Energie-Fakten.de im Rahmen der Medienkooperation mit der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg.
  • Was kann die Supraleitung im Energiebereich leisten?
  • Bereich (Kern-) Fusion / Fusionsforschung der Energie-Fakten.de u. a. mit Hinweisen zu weiteren Materialien und Ressourcen.
  • Weitere Veröffentlichungen zu anderen Themen im Rahmen der Medienkooperation mit der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg.

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