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Debatten-Abend „Peak Oil: Knapp und teuer - Geht uns der Sprit aus? Sind wir erpressbar?“
Veröffentlicht: 22. Februar 2011.

Wann gehen die Öl- und Gasvorräte der Erde zu Ende?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Kurzfassung

„Peak Oil – knapp und teuer – Geht uns der Sprit aus? – Sind wir erpressbar?“ lautete der Titel des letzten Debattenabends der Stiftung Energie und Klimaschutz Baden Württemberg im Jahre 2010. Ein klares doppeltes Nein war die einvernehmliche Antwort der Experten, des für globale Energiezenarien beim World Energy Council verantwortlichen Prof. Karl Rose und des Leiters des Energie­wirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln. Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge. Das ist allerdings nicht selbstverständlich, denn die Welt, wie EnBW-Vorstand Christian Buchel in seiner Begrüßung hervorhob, ist auch weiterhin stark von fossilen Energieträgern abhängig: Allen Bemühungen um den Ausbau der Erneuerbaren Energien zum Trotz wird nach Schätzungen der IEA auch 2035 der Weltenergie­bedarf noch zu 63 % von fossilen Energiequellen gedeckt werden.

Die Frage, so Prof. Rose, wann beim Erdöl der Peak erreicht wird, bereitet zur Zeit keinem Verantwortlichen in der Mineralölwirtschaft schlaflose Nächte, denn dieser Peak ist eine dynamische Größe. Je mehr wir für das Öl zu zahlen bereit sind, umso mehr verlagert sich der Peak in spätere Zeiten. Entscheidend seien nicht die geologischen sondern die technisch verfügbaren Ressourcen, und die steigen jeweils mit dem Ölpreis. Zur Zeit liege das Ölpreisniveau bei 80 bis 90?$ vergleichsweise niedrig, weil die internationale Finanzkrise die globale Nachfrage um ca. 7?Jahre zurückgeworfen habe. Das anhaltende Wachstum des Energiebedarfs, vor allem in Asien, werde auch in Zukunft wieder für Verknappungen und Verteuerungen sorgen. Ein Ende des Öls ist also noch nicht zwingend in Sicht.

Eine Verknappung von Erdgas ist erst recht kein Thema, darin stimmten Prof. Rose und Prof. Bettzüge überein. In den letzten Jahren haben sich nämlich zwei in Deutschland bisher wenig beachtete technisch-wirtschaftliche Durchbrüche ereignet: Nicht-konventionelles Erdgas ist wettbewerbsfähig geworden. Damit bezeichnet man Erdgasvorkommen, die in großen Tiefen durch Sprengungen erschlossen werden. Viele Länder kommen jetzt als Lieferanten für Erdgas in Frage, so dass jetzt die früher besorgte starke Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas potentiell etwas entschärft ist.

Der Schiffstransport von verflüssigtem Erdgas (LNG=Liquid Natural Gas) ist sehr viel kostengünstiger geworden, ab einer Entfernung von 3000 km ist LNG nun preisgünstiger als Erdgas aus Pipelines: dies fördert die geografische Diversifizierung der Bezugsquellen.

Um so überraschender finden es Prof. Rose und Prof. Bettzüge, dass Erdgas im neuen Energie­konzept der Bundesregierung keine große Bedeutung zugemessen wird. Dabei könnte Erdgas ein guter Partner der Erneuerbaren Energien sein, die in der Regel trotz hoher Leistungen wenig Arbeit erbringen. Diese Rolle übernehmen mittelfristig in Deutschland aber die Kernkraftwerke. Ein weiterer Grund für die abnehmende Bedeutung des Erdgases in Deutschland, so Prof. Bettzüge, liege in rückläufigen Verbrauch im Wärmemarkt durch bessere Isolation der Gebäude. Inter­national wird das Erdgas aber weiter eine große Rolle spielen, weil hier die besonderen Verhältnisse Deutschlands (extrem hohe Anteile der Erneuerbare Energien, ergänzt durch ausschließlich abgeschrieben Kernkraftwerke) nicht vorliegen.

Die globale Perspektive ist grundsätzlich anders als die deutsche. 3,6 Milliarden Menschen, so Prof. Rose haben keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zur elektrischer Energie, vor allem in Afrika aber auch noch in Asien. In Asien verbindet sich dieser Nachholbedarf mit rasantem Wirtschaftswachstum und dem Wachstum einer neuen Mittelschicht mit den gleiche Ansprüchen wie in Europa oder den USA: Das daraus resultierende Wachstum des Strombedarfs wird, so Prof. Rose, sehr oft auch durch Kohle gedeckt werden, die in vielen Ländern der Erde in großen Mengen billig vorhanden ist. Aber auch Erdöl und Erdgas werden sich behaupten, Erdöl ist wegen seiner hohen Energiedichte im mobilen Bereich nur langsam zu ersetzen, und Erdgas ist wegen seiner jetzt breiten Verfügbarkeit und geringen Nachteilen für den Klimaschutz für viele Länder attraktiv. Im Ergebnis wird deshalb die Welt-Energieversorgung auch in Zukunft stark von fossilen Energieträgern geprägt sein. Die verschiedenen Prognosen streuen um einen Wert bei 70?%.

Die Ressourcen stellen keine Grenze für den Beitrag der fossilen Quellen dar. Nur ein international verbindliches Klimaschutzabkommen könnte hier für Veränderungen sorgen, aber gerade die Länder mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen sind nur schwer dafür zu gewinnen. So richten sich viele Hoffnungen auf neue Technologien. Neu hinzukommende Technologien haben das Bild der Energieversorgung aber immer nur verändert, nie revolutioniert. Nach raschem anfänglichem Wachstum erreichen alle neuen Technologien ein gewisses Niveau, von dem aus dann nur noch geringe Veränderungen erfolgen. Es gibt keine unbegrenzt steilen Lernkurven, wie sie zurzeit bei manchen Prognosen über die künftige Rolle der Erneuerbaren Energien angenommen werden. Prof. Rose forderte deshalb gezielte Innovationen auch für eine umweltverträglichere fossile Energieversorgung der Welt. Nicht die Knappheit, die Vorherrschaft der fossilen Energien ist das Problem.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung (pdf, rd. 400 kB) entnehmen.

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, rd. 400 kB). Dieser Text wurde am 22. Februar 2011 veröffentlicht.

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