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Debatten-Abend „Großprojekte Erneuerbare - Wind & Wüste“ (Desertec)
Veröffentlicht: 10. März 2011.
 

Solarstrom aus der Wüste für Mitteleuropa – ist das realistisch? (Desertec)

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
 
Stephan Kohler
Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena)
Video (2:09 Min) Link zu www.energieundklimaschutzbw.de
Diskussionsrunde
Zusammenfassung des Themenabends
Video (3:47 Min) Link zu www.energieundklimaschutzbw.de
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Was Millionen von Fernurlaubern in die Flugzeuge steigen lässt, lässt sich auch von der Karte der Intensität der direkten Sonneneinstrahlung ablesen: Die Sonne ist in Deutschland keine besonders starke heimische Energiequelle. Am Mittelmeer erreicht sie das Doppelte, in der Sahara sogar rund das Dreifache des Mittelwerts in Deutschland. Diese direkte Strahlung der von einem klaren Himmel scheinenden Sonne ist besonders wichtig für solarthermische Kraftwerke, von denen es zwei Typen gibt: Parabolrinnen-Kraftwerke, in denen das Sonnenlicht auf ein Glasrohr konzentriert wird, in dem dann eine Flüssigkeit erwärmt wird, oder Turmkonzepte, in denen viele Spiegel das Sonnenlicht auf einen Empfänger in einem Turm fokussieren, in dem dann sehr hohe Temperaturen entstehen. In beiden Fällen kann man die erzeugte Wärme nutzen, um wie in konventionellen Kraftwerken Strom zu erzeugen. Erste Anlagen sind in den USA und in Spanien bereits in Betrieb. Das Potential dieser Technik ist gigantisch: Nur wenig mehr als 1 % der Wüstenfläche der Erde würden ausreichen, den gesamten Strombedarf der Welt für alle Zeiten zu decken. Im Sommer 2009 bildete sich überraschend das Industriekonsortium Desertec Industrial Initiative (DII). Nach anfangs großer öffentliche Aufmerksamkeit wurde es wieder stiller um Desertec; im Energie-Konzept der Bundesregierung wird Desertec nur am Rande erwähnt.

In einem Debattenabend der Stiftung Energie- und Klimaschutz Baden-Württemberg am 26. Januar 2011 berichtete Cornelius Matthes von DII über den Stand des Projektes. Zu den ursprünglich 13 Gründungsmitgliedern des Konsortiums sind demnach inzwischen weitere aus nördlichen und südlichen Mittelmeer-Anliegerstaaten hinzugekommen. Mit fortschreitender Arbeit von DII ist der Aspekt des Stromimports nach Mitteleuropa in den Hintergrund getreten. Zunächst will DII den Ländern Nordafrikas und des Mittleren Ostens (MENA-Staaten) dabei helfen, ihren eigenen steigenden Bedarf auf nachhaltige Weise zu decken. Dies fördert eine positive wirtschaftliche Entwicklung dieser Region und vermindert den Migrationsdruck. DII konzentriert sich zur Zeit auf die Entwicklung der Märkte und der Anreizsysteme, ohne die auch Solarstrom aus der Wüste nicht vermarktet werden kann, auf die mögliche Übertragung nach Europa und auf die regulatorischen Rahmenbedingungen, die bis 2013 geklärt werden sollen. In den nächsten 1–2 Jahren sollen Referenzprojekte entstehen, die auch den Stromtransport nach Europa über die bestehende Verbindung in der Straße von Gibraltar demonstrieren sollen.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass das Projekt in Fachkreisen kritischer gesehen wird als es bei Beginn in der öffentlichen Wahrnehmung erschien. Prof. Eicke Weber vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme bemerkte, dass die Möglichkeit bestehe, das die Photovoltaik die Technik der Solarthermischen Kraftwerke wirtschaftlich überholen könnte. Die Idee von Desertec beschränkte sich aber nicht auf thermische Solarkraftwerke, sie bezog auch Fotovoltaik- und Windenergieanlagen ein. Stephan Kohler von der Deutschen Energie-Agentur DENA stellte das Konzept des Imports von Strom aus den MENA-Staaten von bis zu 15 % grundsätzlich in Frage. Anders als etwa beim Erdgas, wo auch eine starke und einseitige Importabhängigkeit von Russland bestehe, diese aber durch eine nationale Reserve für 70 Tage abgesichert sei, müsse Strom stets in der gleichen Sekunde erzeugt werden, in der die Nachfrage entsteht. Besondere Probleme sieht Kohler in einer Abhängigkeit von Stromlieferungen aus den MENA-Staaten aufgrund der instabilen politischen Situation und den langen Transportwegen, die mit Stromtrassen überwunden werden müssen.

Die Einschätzung der Bedeutung von Desertec hängt auch von der weiteren politischen Entwicklung in diesem Raum ab, in dem zur Zeit so viel in Bewegung ist. Wenn man dem enormen Migrationsdruck aus diesen Ländern über das Mittelmeer begegnen will, kommt man an einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Aufbauhilfe in den MENA-Ländern nicht vorbei. Dazu könnte Desertec einen wichtigen Beitrag leisten mit ein wenig Stromimport als Nebeneffekt. Und die Grundidee, die Sonnenenergie dort zu ernten, wo sie am intensivsten auftritt kann nicht falsch sein.

Weitere Informationen und auch Bilder finden Sie der Langfassung (pdf, rd. 850 kB).

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, 850 kB). Dieser Text wurde am 10. März 2011 veröffentlicht.

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Siehe auch

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