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Debatten-Abend „Wie entwickelt sich der Energieverbrauch der Welt in Zukunft?“ (Energy Outlook)
Veröffentlicht: 5. April 2011.
 

Wie entwickelt sich der Energieverbrauch der Welt in Zukunft?

Der World Energy Outlook 2010 der IEA

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
 
Diskussionsrunde
Zusammenfassung des Themenabends
Video (4:13 Min) Link zu www.energieundklimaschutzbw.de
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Die Internationale Energie-Agentur (IEA), der die Staaten Europas und Nordamerikas sowie Australien, Neuseeland, Japan und Süd-Korea angehören, hat vor kurzem ihre Prognose für die Entwicklung des Welt-Energieverbrauchs bis 2035 vorgelegt. Sie wurde auf einem Debattenabend der Stiftung Energie und Klimaschutz Baden Württemberg am 24. Februar diskutiert.

Für die Weltbevölkerung wird bis 2030 ein Anwachsen von 6,7 Milliarden in 2008 auf 8,5 Milliarden, und ein Wirtschaftswachstum von 3,2 % pro Jahr, hauptsächlich getrieben durch Nicht-Mitgliedsländer der IEA, wie China und Indien, angenommen. Drei Szenarien betrachtet die IEA:

  • Das Szenario „Current Policies“ zeigt die Folgen der Fortsetzung der bisherigen Politik
  • Das Scenario „New Policies“ berücksichtigt die Absichten und Ankündigungen der Länder
  • Im Szenario „450“ soll die Erwärmung des Weltklimas auf 2 °C begrenzt werden.

Für eine Umsetzung des Ziels von Kopenhagen in reale Energie-Politik ist die IEA „wenig optimistisch“, zumal die Umsetzung dieses Ziels seit 2009 um eine Billion Dollar teurer geworden ist. Deshalb bildet das Szenario „New Policies“ die künftige Entwicklung wohl am besten ab.

Auf jeden Fall, so die IEA, wird der Weltenergieverbrauch weiter ansteigen: Von heute etwa 12.000 Mtoe (Millionen Tonnen Öl-Equivalent) steigt er bei unveränderter Politik auf 18.000 Mtoe, im „New Policy“-Fall auf 16.500 Mtoe und selbst im „450“-Fall noch auf knapp 15.000 Mtoe. Maßgeblich dafür ist das Wachstum in Asien; die Mitgliedsländer der IEA tragen kaum dazu bei. Während der Verbrauch von Europa, USA und Japan konstant bleibt, verdoppelt sich bis 2035 der Energiehunger Indiens, und der Verbrauch Chinas wächst um 75 %. Auch der „Rest der Welt“, vor allem also die Entwicklungsländer, zeigt eine kräftige Zunahme des Energieverbrauchs.

Die IEA erwartet im „New-Policy“-Fall unterschiedliche Entwicklungen der Energieträger. Das größte Wachstum entfällt nach Ansicht der IEA auf das Erdgas; es ist der einzige fossile Energieträger, der in allen drei Szenarien wächst, nämlich pro Jahr um 1,6 % im Falle „Current policies“, 1,4 % für „New Policy“ und immer noch 0,5 % im Szenario „450“. Die IEA spricht deshalb für die Periode bis 2035 vom „Goldenen Zeitalter“ des Erdgases. Der Bedarf an Kohle wächst im „New Policy“-Fall um 20 %, aber hauptsächlich bis 2020. Getrieben wird dieses Wachstum vor allem durch China und Indien, die dann die USA auf Platz drei der Kohleverbraucher verweisen. In den Mitgliedsländern der IEA ist der Kohleverbrauch rückläufig. Beim Erdöl zeigt sich eine größere Abhängigkeit von energiepolitischen Entscheidungen als bei Kohle und Erdgas; die Szenarien zeigen deutlichere Unterschiede, ein Wachstum von heute 85 Mb/d (Millionen Barrel pro Tag) auf 108 bzw, 99 Mb/d bei den konventionellen Szenarien, aber im Falle der Variante „450“ würde der Ölverbrauch auf 81 Mb/d zurückgehen. Auch hier kommt mehr als die Hälfte dieser zusätzlichen Nachfrage aus China während der Bedarf in den IEA-Ländern um 6 Mb/d zurückgeht. Dabei steigt die Abhängigkeit vom arabischen Öl, also den OPEC-Staaten, von heute 41 % auf 52 % in 2035. Der Beitrag Erneuerbarer Energien wächst in allen Szenarien relativ schnell, aber in absoluten Zahlen können sie die fossilen Energiequellen noch nicht ablösen. Sie sind auch 2035 noch auf Fördermaßnahmen angewiesen. Die mit Abstand größte Bedeutung hat die Biomasse, zunächst vor allem in ihrer traditionellen Form in den Entwicklungsländern, dann zunehmend auch für die Stromerzeugung und für Treibstoffe. Wasserkraft ist die zweit-größte Säule der Erneuerbaren, aber leider nur noch sehr beschränkt ausbaubar. Wind- und Solarenergie sowie Geothermie zeichnen sich zwar durch hohe Wachstumsraten aus, bleiben im globalen Maßstab aber von bescheidener Bedeutung. In der Summe werden die fossilen Energiequellen auch 2035 wahrscheinlich noch 70 % des Weltenergiebedarfs decken. Der Bedarf an elektrischer Energie wächst bis 2035 um 75 %. Sie wird dann weniger aus Kohle erzeugt, deren Anteil von heute 41 % auf 32 % sinkt, dafür steigt der Beitrag der Erneuerbaren Energien von heute 3 % auf 16 % in 2035. Die Kernenergiekapazität soll mit dem Bedarf mitwachsen und bei 14 % konstant bleiben.

Wenn die Welt doch noch das Ziel von Kopenhagen erreichen wollte, dann müssten China und die USA die Hälfte der Einsparungen erbringen. Dabei würden die USA ihren Pro-Kopf-Energie-Verbrauch halbieren, allerdings auch dann nur auf dem Niveau landen, auf dem Europa heute schon ist, Chinas Prokopfverbrauch würde von 1/3 auf 2/3 des unsrigen steigen. Europas besonders ehrgeizige Einsparziele haben kaum Einfluss auf die Weltbilanz

Die Diskussion am 24. Februar in Stuttgart (Link zu www.energieundklimaschutzbw.de) beschäftigte sich hauptsächlich mit der „wenig optimistischen“ Quintessenz des World Energy Outlook der IEA: Die Hoffnung auf Einhaltung des 2 °C-Ziel aus Kopenhagen schwindet; die Welt steuert vielmehr auf eine Erderwärmung von 3,5 °C zu. Und daran werden wir sie nicht hindern können.

Weitere Informationen und auch Bilder finden Sie der Langfassung (pdf, rd. 400 kB).

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, 400 kB). Dieser Text wurde am 5. April 2011 veröffentlicht.

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Siehe auch

  • Energiemix der Zukunft (Link zu energieundklimaschutzbw.de); Präsentation von Prof. Dipl.-Ing. Karl Rose
  • Bereich Regenerative Energien -> Solarstrahlung der Energie-Fakten.de
  • Bereich Regenerative Energien -> Windkraft der Energie-Fakten.de
  • Bereich Regenerative Energien -> Wasserkraft der Energie-Fakten.de
  • Bereich Regenerative Energien -> Sonstige der Energie-Fakten.de
  • Weitere Veröffentlichungen zu anderen Themen im Rahmen der Medienkooperation mit der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg.

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