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Debatten-Abend: „Was gibt es Neues zur Entwicklung des Energieverbrauchs der Welt? Und wo bleibt der Klimaschutz?“
Veröffentlicht: 28. Feb 2012.
 

Was gibt es Neues zur Entwicklung des Energieverbrauchs der Welt?

Und wo bleibt der Klimaschutz?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
Screenshot Diskussionsrunde
Zusammenfassung des Debattenabends,
(das Video steht unterhalb des Videos von A. Jung)
Video (2:47 Min),
Link zu www.energieund-klimaschutzbw.de
Screenshot Meinel
Ministerialdirektor
Helmfried Meinel,
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, (das Video steht unterhalb des Videos von A. Jung)
Video (2:15 Min),
Link zu www.energieund-klimaschutzbw.de
Screenshot Jung
Andreas Jung,
Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena),
Video (2:33 Min),
Link zu www.energieund-klimaschutzbw.de
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Nach dem neuen „World Energy Outlook 2011“ der Internationalen Energie Agentur (IEA) hat sich gegenüber dem Vorjahr in der internationalen Energiepolitik Wesentliches verändert. Aktuell liegt der Fokus aller Regierungen auf der Bewältigung der Finanzkrise. Der Schutz des Weltklimas ist dadurch eindeutig in den Hintergrund gedrängt worden. Weitere neue Einflüsse auf die internationale Energiepolitik sind Reaktionen auf den Reaktorunfall von Fukushima und die Umwälzungen in den arabischen Ländern.

Der drohende Klimawandel wird von keiner Regierung der Welt heute mehr negiert.
Dennoch hat in 2010 das Niveau der CO2-Emissionen wieder ein historisches Maximum erreicht. Im Jahr 2035 wird insgesamt mehr als ¾ des Wertes emittiert, der seit 1990 insgesamt in die Atmosphäre entlassen wurde. Das mit Abstand größte Wachstum verzeichnet China. In der letzten UN-Klimakonferenz in Durban wurde vereinbart, bis 2015 ein Abkommen zu entwickeln, das 2020 in Kraft treten soll. Schon durch diese Verzögerung der notwendigen Investitionen wird dazu führen, dass die Weltoberflächentemperatur um 6 °C ansteigen wird. Daran werden die deutschen Anstrengungen, bis 2050 den CO2-Ausstoß um mindestens 80 % zu senken, nichts ändern; dafür ist Deutschlands Anteil viel zu unbedeutend.

Der Energieverbrauch der Welt wird laut IEA von 2010 bis 2035 um ein Drittel steigen, wobei die Hälfte des Wachstums auf China und Indien entfällt. Den Zuwachs des Bedarfs werden zu 2/3 Erneuerbare Energien und Erdgas decken, dennoch wird auch um 2035 die Welt noch zu ca. 70 % fossile Energien nutzen.

Das Erdöl kommt aus den „MENA“-Ländern (Mittlerer Osten und Nord-Afrika), aber nur, wenn dort entsprechend investiert wird. Das ist aber nach Ausbruch der Unruhen anders geworden. Die neuen Regierungen verschieben ihre Schwerpunkte zu Sozialaufwendungen und reduzieren ihre Investitionen; dies tun auch die internationalen Konzerne, wegen der in den MENA–Ländern entstandenen Unsicherheiten. Immer wichtiger wird dadurch die Reduktion der Abhängigkeit vom Öl vor allem im Individualverkehr, z. B. durch synthetische Brennstoffe aus Gas oder aus Biomasse nach Verfahren der nächsten Generation. Andererseits liegen selbst bei dem gegenwärtigen hohen Ölpreis von 100 $ pro barrel die Produktionskosten etwa in Saudi-Arabien bei 5 $ pro barrel. Mit solchen Kosten kann das Öl auf lange Sicht jeden konkurrierenden Energieträger verdrängen.

Beim Erdgas hat sich laut IEA durch die Erschließung der „unkonventionellen“ Gasreserven eine stille Revolution ereignet. Durch hohe Anteile dieser Förderung in den USA, China, Kanada, Australien und Indien werden sich die Welt-Gasmärkte dramatisch verändern. Hoher Wasserverbrauch und Kontamination des Wassers werden zu stärkerer Regulierung und Begrenzung dieses Wachstums führen. Europa ignoriert diese Entwicklung bisher weitgehend.

Die Kohle bleibt die wichtigste Energiequelle der Welt. In der ersten Dekade 2000-2010 war der Verbrauch an Kohle genau so groß wie der Verbrauch an Öl, Gas, Erneuerbaren Energien und Kernenergie zusammen.

Bei der Kernenergie hat Deutschland als erstes Land einen vollständigen Ausstieg begonnen, aber auch andere Länder überprüfen ihre Einstellung zur Kernenergie. Viele westliche Länder mit hohen Anteilen an Nuklearstrom, wohl auch Frankreich, wollen die Abhängigkeit von der Kernenergie verringern. Die Folge ist auch bei Ausbau der Erneuerbaren Energien eine weitere Zunahme des Verbrauchs an Kohle und Gas und damit ein Anstieg der CO2–Produktion aus dem Stromsektor.

Auch Energieeffizienz zählt bei allen Regierungen der Welt zu den hohen politischen Prioritäten, doch es gibt keine Fortschritte, vielmehr hat sich die globale Energieeffizienz in den letzten beiden Jahren vermindert.
Ein Sonderproblem mit verheerenden Folgen für die Energieeffizienz in Entwicklungsländern sind die dort verbreiteten Subventionen der Energiepreise, die im Jahr 2010 insgesamt 409 Milliarden $ in betrugen. Dadurch werden in diesen Ländern auch die Chancen der Erneuerbaren Energien gemindert.

Noch immer ist die Verfügbarkeit von Energie auf dem Globus sehr ungleich verteilt: 1,3 Milliarden Menschen müssen ohne elektrische Energie auskommen. Die Länder südlich der Sahara, in denen 800 Millionen Menschen leben, verbrauchen zusammen so viel wie New York mit seinen 17 Millionen Einwohnern.

Dieser Text wurde am 28. Feb. 2012 veröffentlicht.

Siehe auch

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